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Sprüche des Alten aus dem Nachtasyl

17.03.2026

Die Bestie Mensch muß man im Zaume halten,
daß nicht Dämonen in das Maul ihr kriechen,
nicht die von ihren Exkrementen Siechen
die Phrase um den Kern des Wortes falten.

*

Gekrächz von Raben ist nun um den Turm zu hören.
Die Glocken schmolz man ein, daß sie nicht stören.

*

Die Goethes Denkmal dreist mit Kot beschmieren,
und wissen nicht mehr, wer Suleika war,
wer aus der Stirn gestrichen Werthers Haar,
vorm Zeitgeist kriechen sie auf allen Vieren.

*

Mag Schönheit auch der Unschuld Schleier tragen,
ein Schlitz genügt, und feuchte Glut macht rasen.

*

Sie wähnen, durch die Nacht den Stein zu wälzen,
doch sind sie Flocken, die im Frühlicht schmelzen.

*

Wäg Stimmen nach dem Feingehalt,
den Rang nach ihrer Geistgestalt.

*

Wie der Matrose mit dem pockennarbigen Gesicht
vom Blumenantlitz einer Inselschönen spricht.

*

Oboenton wogt weich wie eine Welle,
den Schaum von Seufzern aber sprengt die Geige.
Die Klarinette hebt Traumgischt ins Helle.
Viola, sag, ob Venus noch aus Muscheln steige.

*

Stehst du am Fenster, wenn der Abend singt,
aus des Erinnerns dämmersüßem Garten
der Liebe Stimme sich empor noch schwingt,
als würde dein am Schwanenteich sie warten?

*

Wenn unter deinem Schritt Kristalle blitzen,
verhüll mit weichem Vers die schroffsten Züge.
Daß, Dichter, uns der Schnee des Reims betrüge,
muß auch die Seele sich am Dorne ritzen.

 

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