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Ungelebtes Leben

02.11.2020

Die Glorie des Morgens schäumt
auf Wassers grünem Bett,
schon fingert neckisch Sonne
am Flechtenbart des Steins.

Nur du, du möchtest weiter
im dunklen Zimmer schmollen
und deckst die träge Geliebte,
die Schwermut, wieder zu.

Der Ruhm des Mittags schwirrt,
ein blaugefiederter Pfeil,
ins dunkle Herz der Erde,
und Seufzen quillt hervor.

Nur du, du mußt verkniffen
den grauen Faden der Worte
um Verses Schwanken winden,
damit die Knospe hält.

Der Brunnen des Abends rauscht,
und alle Atmenden knien,
um Schlaf und Traum zu trinken
aus ihrem irdenen Krug.

Nur du, du kannst ja unterm
gespensterhaften Knirschen
im Angstgebälk nicht hören,
wie fern die Nachtigall singt.

 

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