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Wozu wieder aufgewacht

28.04.2021

„Ist es Abend, ist es Nacht,
will nur rasch durchs Fenster sehen,
ob noch Menschenschatten gehen,
wozu bin ich aufgewacht.“

Wie steht voller Mond für sich allein,
doch dein Kummer sieht ihn nicht,
sprössen ihm in seinem fahlen Licht
Blüten milder als im Sonnenschein.

„Wurde wach ich, weil es tropft
in das hohle Messingbecken,
süßer wäre mein Erschrecken,
hätt wer an die Tür geklopft.“

Wie von siechem Warten taub
hörst du nicht den Regen rinnen,
Geister, die dein Herz umspinnen,
den Kokon aus wachem Staub.

„In der Flasche blinkt noch Wein,
Tränen, ihr könnt schöner funkeln,
mich zu retten vor dem Dunkeln,
wollest, Schlaf, du endlos sein.“

Schlafe nur, der Engel wacht,
magst des Morgens Knospe sehen,
ihre Schauer fühlen und verstehen,
wozu du wieder aufgewacht.

 

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