Skip to content

Eifelfeld

12.04.2017

Wind pflügt das Blattwerk,
sät Licht in die Schneisen –
es blüht in den Frühnebeln auf.

Eine Ziege steht reglos,
kauend in den Disteln,
auf lehmigen Stufen
steigt ihr Meckern
in die offenen Kammern
des grünen Himmels.

Zwischen Dorf und Dorf
ging ich an Großvaters Hand,
Dorf, wo er herkam,
Dorf, wo er nie ankam,
Heimrufe der Glocken
zwischen zwei Kirchen.

Er begann zu fallen,
als das Kissen neben ihm
zu Kalkstein gerann.
Fiel aus dem Kirschbaumschatten.
Von der Stufe der Kirche.
Lag betrunken auf der Schwelle,
einsilbig vorm prasselnden Herd.

Doch kam Sommer noch vorbei,
wenn ich Flieder brachte
oder Mutter Holunder.
Winter kam mit frostiger Hand,
mit der ich über seine Wangen rieb.

Er hätte gern in die Glut geschaut
der Feuer oben auf dem Eifelfeld,
in dem Kartoffeln schmorten, Kastanien.

Die Eifel wurde mythisches Land,
wo das Jesuskind im Dickicht Beeren pflückt,
Maria Akelei sammelt in ihr Gewand,
Windröschen und Rosmarin.

Während dort eine Autobahn gebaut wurde,
die Bauern mit Kunstdünger wucherten
und der Wildwechsel blutig ausging.

Er hätte dort sterben sollen,
neben der singenden Glut,
in seiner blauen Joppe und dem Filzhut.

Doch starb er klinisch abgeschirmt
vor Schmeißfliegen und dem Geruch von Aas,
der scharf aus dem Tannenwäldchen drang.

Ich hätte ihn dort füttern sollen
mit der Linsensuppe aus dem Napf,
mit dem Tau des Abends ihm netzen
die aufgesprungenen Lippen.

Comments are closed.

Top