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Miniaturen des Lebens XV

18.01.2017

Da steht der grob gezimmerter Tisch,
und auf der kahlen Fläche liegt
eine schlanke blaue Vase, Rosen
strecken ihre verschrumpelten Köpfe
ins Leere, ein gekipptes Glas
aus zart geschliffenem Kristall,
der Wein ist ausgeflossen
und sickert noch vom Rand.
Da liegt eine Scheibe Brot,
mit Honig bestrichen, eine Mücke
tut sich gütlich daran,
Krümel, verstreut, von Tabak
und Lachen von rotem Wachs,
der einmal von einer Kerze getropft.
Das gepreßte Herzblatt einer Linde,
beschwert von einem Kieselstein.
Der hölzerne Stuhl ist umgestürzt,
als wäre, der darauf saß, vor Schreck
aufgesprungen, die Hand vor der Brust,
als habe er plötzlich etwas erkannt.

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