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Terminus, der Grenzstein

29.03.2026

Der Stein hat kein Gesicht, ist unbehauen.
Und doch wird er vom frühen Rom verehrt.
Ein Numen, das belebt und auch verheert,
spricht: Fühlet, was kein Auge kann erschauen.

Der Grenzstein wird mit Opferblut begossen,
und bittre Kräuter mischt man in den Sud.
Er hemmt die Gier und staut die dunkle Flut.
Das Wir und Ihr hat er zuerst erschlossen.

Daß wir auf steiler Bahn den Schritt verhalten,
stößt unser Fuß an diesen harten Stein.
Wir tragen sie, Geduld im Einsam-Sein,
und winken uns von fern, gleich Traumgestalten.

Die in der Nacht den Terminus versetzen,
wird die Erinnye bis zum Wahnsinn hetzen.

 

Zum Begriff des Numen und des Numinosen siehe:
Rudolf Otto, Das Heilige, 1917

 

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