Skip to content

Flügelschläge

04.06.2022

Hündchen, Kletten im Fell,
hechelnd vom Jagen des Hasen,
legt sanft dir die Pfote aufs Knie.

*

Wo wir im Uferschilf lagen –
wob der Mond ein Netz
für die Seufzer des Wassers.

*

Tropfen
am Faden des Abendlichts –
Perlenschnur des Erinnerns.

*

Apfelbaum, kahl,
gekrümmt
unterm gefrorenen Blau.

*

Abschiedslied,
dem Blatte gleich,
vom Herbst überflammt.

*

Worte duften ja nicht –
zwei Silben, Rose,
glühen um Mitternacht.

*

Flaum im Moos,
Gesang,
o ausgerissenes Herz.

*

Das Kind vergaß die Murmel –
sie schimmert im Sand,
da sich sein Blick schon trübt.

*
Flügelschläge,
der Sommer entflieht –
eine Feder nur ließ er zurück.

*

Trauriger Pfad,
gespenstisches Dickicht –
Veilchen, sie lächeln.

*

Zähne am Zaun –
zersplissener Knäuel,
tändelnder Wind.

*

Wasser im Moos,
kaum hörbar
Schluchzen.

*

Muschel, Inseln
rufen dem Knaben
ins Ohr: „O komm!“.

*

Lied, es tunkt,
wie ein Falter,
seinen Fühler ins Herz.

*

Ahnenmal,
unlesbar die Schrift
unter so viel Dornen.

*

Eines Hähers Schatten
überm Finkennest –
süßes Gezwitscher.

*

Schnee fällt auf Schnee,
Wort um Wort
dichtere Stille.

*

Rufe des Kuckucks
hallen und hallen
im Wald meiner Schwermut.

*

Der Leierkasten der Lüste,
das Hupen der Hast –
ein Kissen über den Kopf!

*

Morgens ein Schrei,
mittags ein Sermon,
abends ein Ach.

*

Der Rosen streut
aufs dämmernde Grab,
schnitt sie aus Flammen.

*

Der Himmel bedeckt,
Heliotrop, es weiß
um die Wege der Sonne.

*

Greis, an den Stock genagelt
Plaketten all der Orte
seiner Amouren.

*

Tausend Blumen,
tausend Namen,
du nur blühst namenlos.

*

Von Düften genährt,
von köstlichen Farben,
im Ödland verhungert.

*

Chrysanthemen,
ihr Lichter der Lust –
mir dunkelt das Gras.

*

Ihr Ozeane,
jubelnd von Gischt –
still meine Maare.

*

Wenn stiller die Kerze tropft –
Großmaul, es quatscht
immer dazwischen.

 

Comments are closed.

Top