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Preislieder auf das gewöhnliche Leben IV

18.04.2014

Gepriesen sei der Besen,
der Feger, Kehrwisch für die Hand,
die Eule auch genannt,
am harten Riegel fein besetzt mit Borsten,
festem Haar von Roßschweif oder Ziegenbart –
mit geflochtenen Blättern machtʼs die nackte Negerin
mit dem Palmenschurz die Insulanerin
und mit gebundenem Reisig der Ziegenbärtige in Vietnam.

Am Besenwesen fasst du ganz des Menschen Heldentum,
ob tragisch oder komisch,
im ewigen Kampfe mit den Mächten der Vernichtung,
der Verwirrung und des Untergangs.

Des Chaos Spuren sind allgegenwärtig,
Krümel, Flocken, Späne, Grind,
Fäden, Flusen, Schuppen, Horn,
Haare, Schalen, Splitter, Haut –
alles kehrst du scharrend
über Dielen, Fliesen, Stein und Teppich
und häufst den Todesabhub
weise auf zu Kehrichtpyramiden.

Gepriesen sei der Besen,
mit dem du, schwuppdiwupp,
des alten Chaos ewig jungen Sohn, den Staub,
auf das Kehrblech hievst.

Gepriesen sei der Besen,
und der ihn erfand und immerfort ihn schwingt,
der Mensch, der komisch-große Kehrer-Heros,
dem noch kein Denkmal außer diesem
ward ersonnen und erbaut.

Wenn du erschöpft auf blanker Schwelle sitzt,
in einer jener Kampfespausen –
Waffenstillstand, Frieden gar, die gibt’s hier nicht! –
kriecht dir im Rücken schon die Nacht heran
und in dem es tückisch gleißt und glimmt,
des Geistes Staubgeweb, der Traum.

Mit dem Besen, gepriesen sei er, kehrst du,
selber Staub vom Staub, den Staub.

Gepriesen sei der Besen,
mit dem die Spreu der faulen Worte,
die Füllsel toter, leerer Lügennamen,
du von der Tenne kehrst,
und hast geerntet nur ein goldnes Korn.

Und bettest du dich heim zur Erde nackt,
und ruhst vom Wisch- und Kehrdienst ewig aus –
mein Preislied hält dir eine hohe Seele wach,
den Feger leg ich dir in dieses Grab.

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