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Schreiben, ehedem

25.12.2025

Der Feder sanftes Kratzen
ward uns fortgenommen,
die Honigkerze des Gefühls –
verglommen.

*

Die Lücken im Gekrakel,
die somnambul wir füllten
mit krausen Dickichts Fratzen,
bevor das Versdebakel
wir jäh erwacht zerknüllten.

*

Und schienen uns verworren
im Schnee des Blatts
die hingetupften Tintenspuren,
wie eines bangen Hasen,
der im Zickzack springt,
ließen rasch wir Flocken schneien,
die sie bald verwischten.

*

Auch wenn sie rasch vergilbten,
wir bargen Blatt für Blatt,
als lieh uns Herbst den Schlüssel,
in der alten Eichentruhe,
daß zwischen Muschelhorn
und Odem von Lavendel
den Winter sie verschliefen.
Von manchen blieb,
ins Frühlingslicht gehalten,
nur ein blasses Wasserzeichen.

*

Blatt, eines, zart chiffriert,
legen wir auf eine Schwelle,
auf der es hinter uns
wie ein Boot auf dunkler Welle
schwankend sich im Dunst verliert.
Und wir bangen, hoffen,
daß es unterm Grinsen
eines trunknen Monds
an Riffen kentert, schroffen.

*

Manche Verse glitten, wie in Regenrinnen
leichte Boote, zierlich aus Papier.
Wohin? Weiß Gott. Sie waren schon entschwunden.
Manche sträubten sich, wie an der Angelrute
wilde Barsche, und wir ließen sie
wieder frei, hörten noch die Flosse klatschen.
Andre kamen uns entgegen, Kavaliere,
und sie pflückten eine Orchideenblüte
von der Veste, um sie uns galant zu reichen.
Mädchen aber, entzückt vom sanften Wiegen
unsrer Hand, beugten ihren Nacken,
und ein goldnes Vlies umgoß die Schrift.

*

Linierte Blätter. Um die Linien sprossen
lichte Büschel wie um zarte Gitter,
daß noch ferne Strahlen in sie flossen,
süß die Beeren wurden und nicht bitter,
die schwarze Tinte malte oder blaue.
Las sie wer, schoß Blut ins Herz, ins graue.

 

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