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Begriffliche Klärungen VI – Namen

10.02.2023

Philosophische Sentenzen und Aphorismen

„Peter!“ – Der Angerufene weiß sich gemeint und antwortet ohne zu zögern „Hier!“

Diese scheinbar so beiläufige und nichtssagende Kommunikation kennzeichnen wir als eine Ursprungssituation des Menschen als historische Existenz. Nur als historisch in einer Familie, einer Sippe, einem Kulturvolk Angehöriger trägt er einen Namen, nur als Namensträger geht der Mensch soziale Beziehungen ein, nämlich Beziehungen mit Personen und Bindungen zu Institutionen und Gemeinschaften, die ebenfalls einen Namen tragen und den ontologischen, diskursiven und juristischen Status von Personen einnehmen, für sich beanspruchen und geltend machen.

Der Name und seine Glorie, seine Aura, sein Ruhm begründen den Anspruch auf Herrschaft, auf daß er in aller Munde sei, ein Schrecken den Feinden, den Getreuen ein Wohlklang.

Mit der Auszeichnung des Namens der Herrschaft beginnt die Geschichte der Hochkulturen; zugleich legen die im Namen des Herrschers erlassenen Edikte und Gesetze, wie wir sie seit Hammurabi oder dem Zwölf-Tafel-Gesetz  archäologisch erfassen, sowie mit den Aufzeichnungen ihrer historischen Taten, den res gestae, wie sie Kaiser Augustus im Imperium Romanum auf Stein hat meißeln und verbreiten lassen, den Grundstein der Historiographie.

Die Genealogie und der Stammbaum der Ahnen mit den Zweigen und Früchten der Namen der herrschenden Geschlechter sind, wie Herodot zeigt, die Schußfäden im Gewebe der Geschichtserzählung.

Die Macht Roms erblüht nicht an irgendeinem Fluß, sondern am Tiber, der Triumphzug der siegreichen Feldherren gipfelt nicht auf einem beliebigen Hügel, sondern auf dem Kapitol, die Gräber der großen Familien befinden sind nicht wahllos über eine Gemarkung verstreut, sondern leuchten mit ihren Marmorbildern schon von fern dem Wanderer auf der Via Appia.

Die das Dasein des Einzelnen tragenden Institutionen sind ursprünglich eine Art lebender Allegorien und haben Namen wie die den Penaten geweihte Familie, die der Göttin Roma zugehörige Stadt, die den Göttern bestimmten Kulte mit ihren Tempeln und im Festkalender vorgeschriebenen feierlichen Umzügen.

Die ungeheuren Strahlungen mythischer und heiliger Namen herrscherlicher Gebilde und Institutionen, von Heeren, Kultgemeinschaften, Staaten und Reichen erklären ihre Faszination und die Unterwerfungsbereitschaft ihrer Anhänger und Mitglieder, die bis zum freiwilligen Opfertode reichen kann. – Kultisch geprägte Terrorgruppen von den Assassinen bis zu den Dschihadisten geben uns reichliches Anschauungsmaterial.

Inhabergeführte Unternehmen tragen den Namen ihres Gründers und gelten im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches als Personen. – Die Analogie ermißt man, wenn man daran denkt, daß in Shakespeares Königsdramen die Herrscher oft im Namen und der Maske ihres Herrschaftsgebiets und Landes wie Kent, Dänemark, Norwegen auftreten; man denke auch an Wendungen wie „das Haus Hessen“, „das Haus Hannover“, „das Haus Habsburg“, womit nicht nur ihre Wohnsitze, sondern die Monarchen selbst gemeint sind.

Ein wesentlicher Zug, den das Individuum mit der als Person gedachten institutionellen Einheit verbindet, ist die Verpflichtung, die ursprünglich aus dem Verhältnis zwischen Einzelnen erwächst, wie zwischen Freund und Freund, Gastgeber und Gast, Leihgeber und Schuldner.

Die Aura der Person verschmilzt mit der Aura des Namens. – So wird aus dem Individualnamen Cäsar der Allgemeinbegriff Kaiser.

„Wo bist du Adam?“ – Adam weiß, wer ihn ruft, und schweigt und sucht sich vor Gottes Angesicht zu verbergen.

In der Flucht vor dem Anruf, sei es der Anruf Gottes, wie es der Bericht der Genesis in religiösen Bildern malt, sei es der Anruf der inneren Stimme des Gewissens, erkennen wir das Gefühl und das
Eingeständnis der Schuld. Der biblische Autor deutet sie in der Scham, aufgrund derer sich das erste Menschenpaar die Nacktheit bedeckt; der Autor von „Sein und Zeit“ deutet sie nach dem Verblassen der religiösen Bilder als Flucht vor dem Anruf zur Eigentlichkeit, nämlich zu sein, der man ist, ein der Sorge und der Angst vor dem Tode anheimgegebenes Dasein, das sich in der Entschlossenheit und dem Mut bewährt, mit welchem es beides annimmt.

Wer auf den Anruf seines Namens hört, antwortet nicht nur „Hier!“, in der Absicht, seine Position im Raum anzuzeigen oder seine Identität zu bestätigen; um „Hier!“ oder „Hier bin ich“ sagen zu können, wird ein weltbildliches Koordinatensystem vorausgesetzt, worin sich der Sprechende im Nullpunkt, dem Nullpunkt seiner Existenz, verortet und verzeitlicht; denn die Koordinaten des Systems konstituieren sowohl räumliche als auch zeitliche Dimensionen.

Wir sagen nun, nur Personen sind in der Lage sich am Nullpunkt ihrer Existenz zu individualisieren, und eine Person zu sein heißt, einen Namen zu tragen.

Der Fips genannte Hund weiß nicht, daß er Fips heißt, auch wenn er freudig wedelnd herbeieilt, wenn man ihn mit seinem Namen ruft. Der Name des Hundes ist aber ein akustisches Anzeichen, auf welches das Tier wie auf einen bedingten Reflex reagiert, dagegen kein sprachliches Zeichen wie der Name Peter, auf den der so Angerufene nicht nach Art eines bedingten Reflexes reagiert, sondern etwa mit der Frage antworten kann: „Meinst du mich?“

Das Hündchen Fips kann nicht des lieben Hundefreundes Micki gedenken, mit dem es immer so gern herumgetollt ist, wenn der Name von Micki bei einer Unterhaltung zwischen seiner ehemaligen Besitzerin und Fipsens Herrchen fällt, in deren Verlauf sie wieder einmal auf ihren schon seit langem verstorbenen Liebling zu sprechen kommt.

Wir sehen, daß ein durch eine Psychose bedingter Zerfall der Persönlichkeit mit der Unfähigkeit einhergehen kann, sich des eigenen und fremder Namen korrekt zu bedienen; so unterschrieb etwa Hölderlin etliche seiner Turmgedichte mit fiktiven Namen, so erblickte der kranke Nietzsche in der angebeteten Cosima die mythische Ariadne und identifizierte sich selbst mit Dionysos und Christus.

Wir unterscheiden tragende und nichttragende Wände; Zierrat und Schnörkel bloßer Rhetorik von den für den Gehalt des Gesagten und Mitgeteilten unverzichtbaren Bestandteilen der Rede.

Die nichttragende Wand können wir abreißen; der Raum wird großer und meist lichter. Die rhetorischen Floskeln können wir beiseitelassen; das Gesagte wird klarer, übersichtlicher, einsichtiger.

Wenn die nichttragende Wand allerdings ein kostbares Mosaik oder Wandgemälde aufweist, wie etwa in einer pompejanischen Villa, werden wir den Teufel tun und sie niederreißen. Der Wandschmuck auf einer nichttragenden Wand ist der dichterischen Sprache vergleichbar mit ihren verschiedenen Verfahren der Wiederholung, Spiegelung und metaphorischen Steigerung.

Als Beispiel diene der Gebrauch der Verdopplung der Aussage im typischen Parallelismus des Autors der Genesis: „Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.“ Genesis, 11–12 (Lutherbibel)

Hier besteht der Parallelismus in der Spiegelung des schöpferischen Befehls Gottes (zur Erschaffung der Pflanzenwelt) und seiner Verwirklichung („Und es geschah so“). Der formelhafte Abschluß des dritten Schöpfungstages („Und Gott sah, daß es gut war“) wird am Ende eines jeden Schöpfungstages wiederholt.

Die semantische Relation, die sich darin manifestiert, daß der Name Cäsar den Mann meint, der am 10. Januar 49 v. Chr. den Rubikon überschritt, ist gleichsam das Fundament des Hauses der Sprache; wir sehen und betreten das Haus, das Fundament ist unsichtbar.

Was wir Bedeutung, Bezugnahme, Wahrheit nennen, sind gleichsam die unsichtbaren Tiefenschichten, auf denen das Haus der Sprache errichtet ist. Doch ist, was sie meinen, nicht darstellbar, erklärbar oder ableitbar, sondern nur indirekt zu ermitteln; denn am Ende können wir über das, was wir beispielsweise mit Bedeutung und Wahrheit meinen, nur sagen: Der Satz: „Es regnet“ bedeutet, daß es regnet, und er ist wahr, wenn er ausgesprochen wird, wenn es regnet.

Die historische Person, die mit dem Namen Cäsar gemeint ist, kann eindeutig mittels der Angabe identifiziert werden, daß es der Mann ist, der am 10. Januar 49 v. Chr. mit einem Heer den Rubikon überschritt.

Natürlich können wir den Mann, der mit Cäsar gemeint ist, auch dadurch identifizieren, daß wir sagen, es sei der Mann, der am 15. März 44 v. Chr. in der römischen Kurie ermordet wurde.

So wie wir wissen, daß der Morgenstern und der Abendstern der Planet Venus sind, wissen wir, daß der Mann, der am 10. Januar 49 v. Chr. den Rubikon überschritt und am 15. März 44 v. Chr. ermordet wurde, Cäsar ist.

Es kann nicht sein, daß der Morgenstern Venus und der Abendstern nicht Venus ist; aber es hätte sein können, daß Cäsar am 10. Januar 49 v. Chr. den Rubikon überschritten hätte, aber nicht am 15. März 44 v. Chr. ermordet worden wäre. Die Bedeutung des Namens Cäsar wäre in diesem Falle eine andere als diejenige, die wir aktuell mittels der genannten beiden Daten festgelegt haben.

Wir ermitteln den rechtmäßigen oder unrechtmäßigen Träger eines Namens, anhand der Identifikation der Person, indem wir beispielsweise eine DNA-Untersuchung durchführen, die es uns ermöglicht, dem Usurpator die Verwendung des Namens zu untersagen. – Wenn wir dagegen den legitimen Gebrauch des Namen „Wasser“ anhand von Kriterien wie trinkbare Flüssigkeit und Flüssigkeit, die bei bestimmten Temperaturen ihren Aggregatzustand modifiziert, festlegen, müssen wir ihn all jenen nicht absprechen, die nicht wissen, daß Wasser H2O ist.

Es ist bezeichnend, daß die Hervorbringungen und Geschöpfe Gottes im Bericht der Genesis mit den trivialen Allgemeinbegriffen (Wasser, Erde, Pflanzen, Tiere) benannt werden und nur die Menschen Eigennamen tragen.

Mit dem Eigennamen beginnt die Geschichte des Menschen, konstituiert sich die menschliche Lebensform.

Die mythischen Namen sind in ein Zwielicht von Eigenname und Allgemeinbegriff getaucht: Zeus oder die Macht des Gewitters, Aphrodite oder die Macht der Liebe, Ares oder die Macht des Krieges.

Die Namen der mythischen Götter verblassen zu Allegorien, wenn sich das Zwielicht auflöst und der Allgemeinbegriff gleichsam den Eigennamen des Gottes absorbiert: Statt zu sagen „Zeus regnet“, sagt man einfach „Es regnet.“

Der Name des biblischen Gottes ist kein mythischer Name; der Name des biblischen Gottes ist nicht in das Zwielicht von Mythos und Allgemeinbegriff getaucht. Streichen wir den biblischen Gottesnamen, bleibt kein Allgemeinbegriff zurück; auch wenn dies die an der aristotelischen Ontologie geschulten christlichen Theologen des Mittealters, ja noch Descartes und die Deisten glaubten.

Der begrifflichen Konfusion und Verwechslung des Eigennamens Gott und des Begriffs von Gott verdanken wir den ungeheuren Aufwand der Theologen und Philosophen des Mittelalters, ja noch eines Descartes und Leibniz, die Existenz Gottes aus seinen begrifflichen Eigenschaften ableiten zu wollen, und ebenso ihr notwendiges Scheitern.

Die Nachtigall, wenn sie uns denn noch zu hören vergönnt ist, sie ist die gleiche wie die Nachtigall, die Sophokles im Hain bei Kolonos gehört hat.

Der alten Dame ist ihr Hündchen Micki gestorben; sie kauft sich ein neues, das dem alten ganz ähnlich sieht und nennt es Micki.

Wir existieren sowohl als anonyme Natur- und Gattungswesen als auch als Personen, die einen individuellen Namen tragen; unsere natürliche Existenz reicht von der Geburt bis zum Tod, unsere personale Existenz reicht über das Gezweig der Namen unserer Ahnen weit in die Vergangenheit zurück, vermag sich aber auch über die Träger unseres Namens, unsere Kinder, in eine unbestimmte Zukunft auszudehnen.

Der Dichter Fernando Pessoa entwarf fiktive Dichterpersönlichkeiten mit eigener Biographie und eigenem Namen (etwa Alberto Caeiro und Ricardo Reis), um seine Ausdrucksmöglichkeiten zu vermannigfachen. Doch was die fiktiven Personen geschrieben haben, hat natürlich Pessoa geschrieben.

Wird der Scheckbetrüger, der unter falscher Identität gehandelt hat, entlarvt und vor Gericht gestellt, kann er sich nicht auf die Taten seines Doppelgängers herausreden, sondern wird unter seinem Klarnamen angeklagt und verurteilt.

In Samuel Becketts trostlos-grotesker Welt jenseits des Menschen tragen die Protagonisten entweder clowneske Namen (wie Lucky und Pozzo, gleichsam tragikomische Inversionen der Namen der Commedia dellarte), oder sind schlicht namenlose Figuren.

Die Lebenswelten können in Tafeln und Stammbäumen von Allgemeinbegriffen wie der Systematik der Pflanzen und Tiere von Linné erfaßt und klassifiziert werden; die vom Menschen überschaute natürliche Welt und die von ihm geprägten Daseinsbereiche und Lebensformen können in Listen, Registern, Musterbüchern und (illustrierten) Katalogen mit ihren jeweiligen Namen als Lemmata dargestellt werden: Flüsse, Berge, Länder, Kontinente, Orte und ihre Straßen und Plätze, Bauwerke, Brücken, Schiffe, Tage und Monate und manches andere haben wir mit Eigennamen versehen und ausgezeichnet.

Die riesige Tafel mit den Klingeln und den verschmierten, überklebten, zerfledderten Namensschildern neben dem Eingang des heruntergekommenen Hochhauses in einem sogenannten sozialen Brennpunkt, dieses Sinnbild der Häßlichkeit, des Chaos und des kulturellen Verfalls, spricht uns vom Scheitern der liberalistischen, globalistischen und sozialistischen Utopien.

Es gibt die vielen Berge der Alpen, aber nur einen Montblanc, es gibt die vielen Gipfel des Himalaya , aber nur einen Mount Everest.

Mit der Benennung oder Taufe tritt das Kind in eine profane oder sakrale Gemeinschaft ein.

Den Protagonisten und Helden von Dramen und Erzählungen verleihen allererst ihr meist fiktiven Eigennamen das Gewicht und die Plausibilität ihrer Scheinexistenz.

Manche Namen genialer Künstler saugen die Seele des Toten auf, sodaß sie noch posthum ihre Aura mittels ihrer Namen auszustrahlen scheinen: Mozart, Beethoven, Schubert, Goethe.

Nur Menschen leben in der Welt der Namen, Tiere und tierische Gemeinschaften in einer namenlosen, anonymen Welt.

Schon dieser begriffliche Unterschied zwischen dem vorsprachlichen und namenlosen Dasein der Tiere und der auf die Bedeutung des Personennamens gegründeten menschlichen Existenz  taucht alle Versuche neurowissenschaftlich orientierter „Philosophen“, das soziale Leben von Tiergemeinschaften und dasjenige des Menschen über einen Leisten zu schlagen, in ein flackerndes und trübes Licht, das jedenfalls nicht das stille und klare der philosophischen Besinnung zu sein scheint.

Der Name ist wie ein Faden, der uns mit der Existenz der anderen, der Lebenden und Toten, verknüpft, manchmal lose verbindet, manchmal aufs schmerzlichste fesselt.

Der Name der Geliebten kann den Liebenden begeistern oder entsetzen, ins Offene locken oder in Verliese bannen, beflügeln oder zu Boden schlagen.

Die Namen der Verstorbenen, die auf Grabsteinen und Gedenktafeln uns entgegenblicken, sind ein bedeutsames Zeugnis menschlicher Lebensform und ein Zeichen der Pietät, die uns von der Barbarei trennt.

Das Grab zu schänden, den Namen des Verstorbenen zu entstellen und zu entehren gilt zurecht als schweres Sakrileg. – Doch müssen wir dies in Umbruchszeiten wie diesen, da eine neue Generation die Sitten der alten zynisch oder von einer höheren Moral besessen von sich abschüttelt, oft bis zu einem Maß und einer Form der geistigen Entfesselung erleben, die uns empört oder sprach- und ratlos zurückläßt.

Als würde im Namen der Toten jenes Moment der Seele weiterexistieren, das sich in der Andacht und hymnischen Gewalt manifestiert, von der die Widmungs- und Totenbilder der Dichter und Maler, aber auch ein Totengedenken wie das Violinkonzert von Alban Berg künden.

Die Schreckensherrschaft beraubt die Opfer ihrer Namen (und ersetzt sie zynischer- oder diabolischerweise gar durch Nummern).

Die jüdische Religion ist der Kult um Gottes heiligen Namen, der nicht geschrieben, nicht (außer einmal im Jahr beim Jom Kippur durch den Hohepriester) ausgesprochen werden darf.

Der Ruhm ist an das Echo des Namens im Munde zukünftiger Generationen geknüpft; wie die Ode des Horaz an Melpomene „Exegi monumentum aere perennius“ bezeugt.

Verspottung mittels Verkleinerung: „graeculi“ wurden die Haussklaven und Hauslehrer der römischen Aristokraten genannt.

Der Gebrauch von Diminutiven und Kosenamen unter Liebenden, mit dem sie sich bei stürmischem Wetter in die gute und gut geheizte Stube des Hauses der Sprache zurückziehen, um von dort aus dem Fenster wie kleine Kinder dem Flockentreiben zuzuschauen.

Die römischen Namen zeigen die Bedeutung des Vaterrechts in der indogermanischen Kultur, denn ihr zweiter Bestandteil nach dem üblichen praenomen (unserem Rufnamen) ist das nomen gentile, das die Herkunft aus der väterlichen Linie angibt, sowie das inschriftlich verwendete patronymium (Marci filius). Das noch hinzutretende cognomen (sowie der Ehrenname, das agnomen) dienten der Vereindeutigung der Benennung: Gaius Julius Caesar, Publius Cornelius Scipio Africanus.

Der Niedergang der patriarchalisch geprägten Hochkultur, wie wir sie seit den Schüben der großen Revolutionen und im Gefolge der Industrialisierung, Technisierung und Vermassung erleben, zeigt sich in der Inflation fremdstämmiger Namen und der Degradierung und weitgehenden Tilgung oder zumindest Verächtlichmachung des Namens des Vaters und der Namen der Väter.

Staatliche Inschriften wie die römischen sind Dokumente des Willens zur Macht, private wie die intime Grabbilder auf der Via Appia sind beredte Zeichen der Mnemosyne.

„Dem unbekannten Soldaten“ – diese Inschrift ist ein echtes Kennzeichen vaterländischer Gesinnung.

Der Eigenname und die Sprachhandlungen, mit denen wir ihn verleihen, gehören ebenso zum Fundament der Sprache wie die Sprechakte des Zusagens, Versprechens, Beeidens und Vereinbarens, die wir durch namentliche Bezeugung oder unsere Unterschrift besiegeln. Nur aufgrund der Tatsache, daß die anderen wie wir selbst Namen tragen, sprechen wir ihnen ein Dasein als Personen zu, denen wir Reden und Handlungen als Willensäußerungen zuerkennen.

Nur Helga kann Peter ihr Wort geben, nur Peter kann Helga beim Wort nehmen, namenlose Tiere und anonyme Roboter können dies nicht.

 

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