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Die alte Wirrnis

25.08.2020

Nicht Tag, nicht Nacht ist noch bewußt,
die alte Wirrnis lauert,
ein Blumenduft, verseufzte Lust,
der Geist der Dämmerung schauert.

Wie Schrift auf Malen, Schattenriß,
des Himmels Zweige wehen,
der Tag des Sinnes ungewiß
muß uns in Traum vergehen.

Die Saat der Sonne war bestellt,
nun wuchern dunkle Triebe,
was Aug in Auge sich erhellt,
in Tränen schwimmt es trübe.

Die Flamme, die zum Himmel sang,
des Danks geweihte Schale,
erlosch bei unserm letzten Gang
zum hohen Abendmahle.

Das Dunkel kommt, das Dunkel sinkt,
die Rosen wollen bleichen,
kein Stern, der aus der Nacht uns blinkt,
wie wir den Rosen gleichen.

Ist einem Kind, wohl tief im Ried
gebettet, an Wassers Rauschen,
vergönnt, dem süßen Lebenslied
der Nachtigall zu lauschen?

 

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