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Miniaturen des Lebens XIV

18.01.2017

Daß du dies Kind gewesen,
blonder Knabe mit dem Blau
von scheuen Kinderaugen,
und hocktest auf dem Schemel
aus Holz mit dem oval gesägten
Griff grad auf der Schwelle da,
der trockenen, still zu lauschen
dem grauen Lied des Regens,
der schräg dir in die Seele fiel,
oder das wilde Herz zu öffnen
den Flocken ersten Schnees,
als haschte blind ein Mund
nach einem hingehaltenen und
immer bang zurückgebognen Mund,
oder zu schmecken Salz des Schicksals
im Wind, der wie Gedankenfetzen
welke Blätter vor sich blies,
dies Kind, das seine Stulle kaute
und in einen sauren Apfel biß,
o Tag und Nacht und Jahr um Jahr,
wie von Efeu ganz bedeckte Mauer
zwischen dir und jenem Kind,
und schwebt die graue Seele schon
durch kalten Abends Dunst,
es sitzt noch auf der Schwelle,
es ist noch immer nah.

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