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Sonett vom auferblühten Wort

06.02.2026

Was Dunkelheit entronnen, Tropfen Lichts,
du sammelst sie in irden-braunen Schalen.
Du spendest sie, daß Grün und Rot nicht fahlen.
Doch sparst noch Tau du auf, Glanz des Gedichts.

Zum Grabe gehst du, hauchst vom Stein den Staub,
daß lesbar seien Schrift und Andachtszeichen.
Und muß die Schrift, der Stein, das Grab auch weichen,
von Tränen Mnemosynes grünt ein Laub.

Was sinnend du aufs zarte Blatt geschrieben,
es wird mit Blättern welken, bald verwehen.
Wie’s auferblüht, wirst du vielleicht nicht sehen,
das Wort, das unterm Schnee noch wach geblieben.

Mag duften lieblich es dann jenen andern,
die es verlockt, in blauer Luft zu wandern.

 

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