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Schmach und Dank

12.07.2021

Das Leben altert zum Gespenst,
das fade graue Mehl der Rede
stäubt von steinernen Tischen,
das Flüster-Gras, verstummt und ausgeblichen,
gebettet Schicht für Schicht
Gelebtes und Geträumtes gleich,
es wartet auf den Gnadenfunken.

Nur jene grünen auf vom Tod,
die lichten Kronen, die im Dunkel wurzeln,
behaust von Zwitschern und von Tau behaucht,
besamt von Schweige-Blitzen,
erfrischt am Lied der Tropfen,
vom eignen Rauschen selig-müd.

Dem Schlummerlosen knirscht der Balken
vom Spuk des Ungelebten,
im Hinterhof der Leere bellt ein Hund,
noch durch des Mondes Laken sickert ihm die Schmach,
und blättert er nach Trost in alten Alben,
ruft jedes Lächeln „Schlaf!“,
und jedes Auge zwinkert ihm „Leb wohl!“.

Nur jene wandeln dankend in den Tod,
die Dämmerung und Nacht und Grauen
mit Tropfen eignen Bluts erhellen,
auf Wasser, die ins ferne Schattendelta rollen,
Glaubensblüten wehen, weiß und fromm,
nur jene, die dem Ungewissen werfen zu,
die stillen Duldens ihrem Herbst entquollen,
süße Frucht, die nach erhöhtem Dasein schmeckt.

 

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