Ein Bild hielt uns gefangen
Ludwig Wittgenstein
Vor dem verwaisten Haus,
mit schrägen Brettern
in den Fensterhöhlen,
auf bemooster Schwelle,
ach, das Moos ist weich,
sinnlos warten.
*
Die verschlossene Tür,
vor der du stehst,
auf die du starrst,
suchst du vergebens
mit List und mit Gewalt
zu öffnen.
Die kleine Pforte
dir im Rücken,
sie ist unverschlossen.
*
An der Scheibe schwirrt,
aufwärts, abwärts,
eine träge Motte,
gebannt vom trüben Licht
aus deiner Leselampe.
*
An einen Mund gefesselt
wie an eine Quelle,
die einmal hat gerauscht,
die einmal hat getränkt,
und lange schon verstummt ist.
*
Auf jähem Abhang rutschen,
sich an Disteln klammernd,
Dornensträuchern,
vor Schmerz den letzten Halt
verlieren.
Oder waren diese Stacheln,
diese Dornen Nägel
blind ergriffener Hände?
*
Den Pfad des Worts
umrauscht ein dunkles Schilf.
Am Ufer bricht er ab,
im Sumpf des Urstromtals.
*
Die Inseln der Seligen
scheinen ferner zu rücken,
umso ferner,
je heißer wir die Ruder
im schwanken Boot
hymnischen Sangs
ins weiche Wasser tauchen.
*
Das Wort ist nicht der Falter,
vom Glas des Meinens,
des Selbstgefühls,
daran gehindert,
zum besonnten Dasein
hin zu flattern.
Noch stürzt er
dionysisch-trunken
in die Flamme
des Gemeinten.
*
Als hätte im Sprachgewebe
die Mücke des Gefühls
sich jäh verfangen,
die Spinne Verstand
sie schon erstickt.
*
Leise angerührt
von Eos’ Finger
rollt sich der Farn,
der wache Vers,
dem Licht entgegen.
*
Für den Rohen sind sie eitle Tropfen
einer Gischt, zu weich für taube Haut,
Reime, helle Kehren einer Brandung,
die zur Lust aufs Dunkel sich gestaut.
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