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Der sentimentale Maulwurf

31.01.2024

Ein Maulwurf mußte weinen,
als jäh aus dunklem Schacht
ihn hob hinan ein Scheinen,
des Himmels blaue Pracht.

Es konnte Weite fühlen,
ein Wehen grenzenlos,
der immerdar muß wühlen
sich durch der Erde Schoß.

Den Duft, wenn Blüten zittern
im lauen Sommerwind,
aufseufzend durfte wittern
der Blinzler farbenblind.

Es sang im Abendfrieden
ein Vogel wunderbar,
dem Leben abgeschieden
die stumme Gruft nur war.

Ein Säuseln süßer Schauer
hat ihm das Fell erquickt,
der haust in Grabluft, grauer,
dem Rosenduft entrückt.

Da schreckte auf Wehklagen
den Maulwurf, der fast schlief,
ein Wehlaut voll Verzagen,
der winselnd nach ihm rief.

Die Schwester war’s, die kleine,
die früh heut ausgebüxt,
Blut troff ihr von dem Beine,
hat albern nur geknickst.

„Ach, Bruder, laß uns tauchen
und schlüpfen in das Loch,
hörst du das wilde Fauchen,
sie frißt am End mich noch,

die Unholdin, die Katze,
sie hat mich schon verletzt
mit ihrer Mördertatze,
die Zähne schon gewetzt

an meiner zarten Hüfte.
Fluch auf die Blumenwelt,
saugt Traum auch ihre Düfte,
von eitlem Glanz erhellt.

Es lauern Nacht-Dämonen
in ihrem Lichtgefild,
die unsres Volks nicht schonen,
wenn Dunkel es nicht hüllt.“

Sie huschten flugs, die beiden,
zum Hort der Finsternis,
das Böse zu vermeiden –
im blauen Bild der Riß.

 

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