Sonett vom zugefrorenen See
Die Seele starrt, ein zugefrorener See.
Im Dunkel schimmern Lichter aus der Tiefe,
als ob am Grund gebannt die Nymphe schliefe,
Pech ist ihr Haar und ihre Lende Schnee.
Es lugt der Mond herab, der alte Schalk,
ob schäkernd er empor sie könne necken.
Sein Lächeln bleibt im Wehn des Tanges stecken,
es rieselt ihr ins Herz wie schnöder Kalk.
Ist keine Sonne mehr, das Eis zu tauen,
daß Anmut mag ins Schilf des Ufers steigen,
der Seele Sinn zu lösen aus dem Grauen?
O sanfte Küsse unter grünen Zweigen,
wo Nachtigallen ihre Nester bauen
und singen, wenn gestillte Herzen schweigen.
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