Skip to content

Gedämpfter Schmerz

06.06.2022

Dein Blick umschleiert,
als löschten Tränen Glut –
gedämpfter Schmerz.

*

Im Schnee der Nacht
Knirschen
rätselheller Schritte.

*

Scherbe auf dem Samt
der Finsternis,
zerbrochner Glanz.

*

Sieh dich im Wasser,
ein Tropfen –
und das Bild verschwimmt.

*

Hohe Trauerfeier,
ein Fenster offen –
Zirpen lauer Sommernacht.

*

Auf dem Friedhof.
„Hol die Kanne!“ –
Grüner Fäulnishauch.

*

Weihrauch blaut.
„Zu meinem Angedenken.“ –
Schwalbe fliegt zur Apsis auf.

*

Holunderbusch,
weißer Schaum
knistert in deinen Schlaf.

*

Das Wort, ein Stich. –
Die Biene stirbt,
das Gift, es kreist und kreist.

*

Wir gehen bis zum Fluß.
Schilf, es bebt.
Still deine Hand in meiner.

*

Der Krug mit Wein,
umgestürzt –
Mücken taumeln.

*

Ging die Kerze aus –
Liebe singt
ihr Licht ins Dunkel.

*

Du wischst vom Stein
Grünspan ab und Moos –
unsre Namen, fremd.

*

Tau an Traumes Wimpern,
Mohn des Abendrots,
Verse, dunkler Duft.

*

Male Grau auf Blau
diese Abendstunde –
ein Grün wär schon zu hell.

*

Langsam wird dein Schritt,
gehst du auf dunklem Moos,
Veilchen, und du weilst.

*

Die Schwalben rufen dich,
der Brunnen blaue Nächte –
dem Wissen sag ade.

*

Kuckucksruf –
und Waldes Odem
überhaucht dein Leid.

*

Hier, des Abschieds Schwelle –
Gedächtnis grünt am Stein,
o treues Moos.

 

Comments are closed.

Top