Jean Racine, Plainte d’un chréstien
sur les contrariez qu’il éprouve au dedans de lui-même
Aus: Cantiques spirituels (1694)
Mon Dieu, quelle guerre cruelle !
Je trouve deux hommes en moy.
L’un veut que plein d’amour pour toy
Mon coeur te soit toujours fidelle.
L’autre à tes volontez rebelle
Me revolte contre ta loy.
L’un tout esprit, et tout céleste,
Veut qu’au ciel sans cesse attaché,
Et des biens éternels touché,
Je compte pour rien tout le reste,
Et l’autre par son poids funeste
Me tient vers la terre penché.
Hélas ! en guerre avec moi-même,
Où pourrai-je trouver la paix ?
Je veux, et n’accomply jamais.
Je veux, mais, ô misère extrême !
Je ne fais pas le bien que j’aime,
Et je fais le mal que je hais.
O grâce, ô rayon salutaire,
Viens me mettre avec moi d’accord :
Et domtant par un doux effort
Cet homme qui t’est si contraire,
Fais ton esclave volontaire
De cet esclave de la mort.
Klage eines Christen
über die Gegensätze in seinem Inneren
Mein Gott, was für ein grausamer Krieg,
zwei Menschen hausen in mir,
der eine will nur die Liebe zu dir,
mein Herz sei zu dir der Überstieg,
der andre gönnt deinem Geist keinen Sieg,
und stachelt wider dein Gesetz in mir.
Der eine ganz Geist aus ewigem Licht
will himmlische Chöre nur hören,
sich nur an Himmelsfrüchten beglücken,
der ganze Rest zählt für mich nicht.
Der andre macht mit Unheils Gewicht
zur Erde mich niederbücken.
Weh mir, Krieg macht meinen Wandel schief,
wo kann ich da Frieden finden?
Ich will, doch die Kräfte schwinden,
ich will, doch mein Elend ist tief,
ich hasse, wozu Liebe mich rief,
ich liebe die häßlichen Sünden.
O Gnade, du heilender Strahl,
entzünde mir den Sinn der Einfalt
und stille mit sanfter Gewalt
dieses Widerspenstigen Qual,
nimm auf in deiner Diener Zahl,
der da lebt in Todes Gestalt.