O Hauch des Quells
Bist nah du noch, der uns die Stirn gekühlt,
als wir durch dürres Dickicht sind geschritten,
die Glut der Sommereinsamkeit durchlitten,
o Hauch des Quells, von Hufen aufgewühlt –
hat uns ein Gott an ihren Saum geführt,
klang blaues Rauschen aus der Dämmertiefe,
daß uns der Mund von süßen Liedern triefe,
der Bann sich löse, der das Herz umschnürt.
O Hauch der Muse, hat dich Sturm entrückt,
der salzig aus der Wüste aufgestiegen?
Hat deinen Odem Düsternis erstickt,
als in Kolonos Hain die Vögel schwiegen?
Blieb nur ein Herz, von wildem Wahn zerstückt,
ein Schmerzenshaupt, das schwarze Wellen wiegen?
Anmerkungen zum Verständnis:
Der Musenquell auf dem Berge Helikon wurde laut Hesiod von den Hufen des Pegasus, der mythischen Verkörperung der Dichtkunst, aufgewühlt.
In der Tragödie des Sophokles „Ödipus in Kolonos“ führt den blinden Heros seine Tochter Antigone, bevor er am Ende von dort entrückt wird, in den Hain von Kolonos, als die Nachtgallen ihren Gesang anstimmen.
Das Schmerzenshaupt ist der Kopf des Orpheus, der von den Bakchen abgehauen noch auf dem Wasser schwimmend seine Klagen um Eurydike gesungen haben soll.
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