Das Widerspiel
Du siehst den Pfau, gemalt im Gegenlicht,
das durch den aufgespannten Fächerbogen
mit seinen blauen Jenseitsaugen bricht.
Doch hinter ihm, im hohen Gras das Skelett,
mit Pinselstrichen feinsten Haars gezogen,
die Knochen, bleich auf weicher Moose Bett,
der Schönheit Widerspiel, das siehst du nicht.
Du hörst den Vers, als rausche das Gedicht,
ein Wasser, sanft durch grüner Nächte Matten,
als ob der Stromgeist mit sich selber spricht.
Doch über ihm das Knistern im Geäst
des Weltenbaums, wenn rauh die Schar der Schatten
der Nachtwind schüttelt aus der Träume Nest,
des Wohllauts Widerspiel, das hörst du nicht.
Anmerkungen zum Verständnis:
Der Pfau steht in der antiken und christlichen Ikonographie für das Reich der Schönheit und Unsterblichkeit, Eden und das Paradies.
Der Weltenbaum Yaggdrasil symbolisiert in der germanischen Mythologie die Achse der Welt, die die vier Reiche der Götter, Menschen, Tiere und Toten verbindet. Der Nachtwind, der seine Äste zum Knistern bringt, kann wohl seine Bewohner aus den Nestern des Traumes schütteln, doch bleibt die mythische immergrüne Esche auch in dem hier angedeuteten zyklischen Weltuntergang, dem Ragnarök, unbeschadet stehen, sodaß die entflohenen Tiere, seine angestammten Bewohner, der Adler, der Drache und das Eichhörnchen, wieder zu ihm zurückkehren können.
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