Traumgips
Alkäische Strophe
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Du träumst von Schlüssel, Ausweis und Skizzenbuch,
schon wieder unauffindbar im Weltgewühl,
am Schalter wirst du gefragt „Ihr Zielort?“,
aber du weißt ihn nicht mehr, den Namen.
Und diese Frau, sie drückt dir noch heiß die Hand,
du siehst ein letztes Ufer versinken im Dunst,
sie lebt schon lang mit einem andern,
und ihr Gesicht, ihre Augen dunkeln.
Der Mond, er stieg die Treppe aus Schiefer hoch
und liegt nun faul im Rebengestrüpp herum,
doch ist der Weinberg aus Kindheits-
pappe, die Trauben aus fadem Traumgips.
O Sonne der Liebe, Blitze des Götterzorns,
die Traumgespinste, Bilder, Attrappen sengt
zu Asche, wirbelt Flocken, blast mich
winzigstes Flöckchen ins Blau des Himmels.
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