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Der Schatten spricht

06.08.2021

Ein Schatten schwebe ich wie Moos an Mauern,
an dem der Tauglanz abends niederrinnt
und dem die Nacht nur kaltes Seufzen gönnt.

Ein Blatt glitt ich von einem faulen Stengel
in eines Pfuhles odemloses Graun,
ich löse mich in blinder Würmer Schmatzen.

Ein Rätselwort bin ich auf fremder Zunge,
ein Kern unschmelzbar einer Bitterfrucht,
spuckt man mit einem Fluch mich wieder aus.

Ein Nest des Mondes liege ich voll Schlangen,
ich habe nichts als Zischen nach dem Schaum,
der purpurn von den Strahlenfingern tropft.

Ein Nagel fiel ich rostig von dem Balken,
woran umsonst des Heiles Inschrift hing,
sie fiel mit mir zum Staube, der nicht liest.

Ich bin die nackte Puppe tränenlos,
das Kind, enttäuscht, da ich gewiegt nicht schluchzte,
ließ in der Kammer Spinnen mich umweben.

Ich flocht ein Dichter mir den Lilienkranz,
doch rührte Wehmut auf sein Duft und Schimmer,
so muß verbannt im dunklen Turm ich hausen.

 

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