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Übergänge XIII

31.07.2017

Terzinen auf den wilden Wein

Der wilde Wein hob dich aus fahlem Licht
mit Purpurfingern, sang mit Feuer-Zungen.
Als du dich schlepptest mit dem Rucksack Pflicht,

ist blauer Most dir in das Blut gedrungen.
Ein Trauben-Lächeln wuchs auf dem Basalt,
die toten Fenster hat es wach gesungen.

Und als du wiederkamst, ergraut und kalt,
hat noch der Stare Schwarm im weichen Beben
des Laubs gezwitschert, noch dein Mund gelallt

der Verse schwarze Tropfen an den Reben,
mit denen sich der grüne Gott geschmückt?
Wo dir gebaut die Sonne Kunst und Leben,

klafft nun ein Loch, hat Fortschritts Zahn zerstückt
das stille Haus – sind unterm Schutt begraben
die Seelen auch, der letzte Wein gepflückt,

doch nicht den Sänger, nicht sein Lied zu laben.
So mußt du ranken lassen wilden Wein
an jenen Mauern nun, geheim-erhaben,

die deinen Traum umschließen wie ein Schrein.

 

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