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Rainer Maria Rilke, Vergers XIX

29.12.2016

Eros

I

Ô toi, centre du jeu
où l’on perd quand on gagne;
célèbre comme Charlemagne,
roi, empereur et Dieu, -

tu es aussi le mendiant
en pitoyable posture,
et c’est ta multiple figure
qui te rend puissant. -

Tout ceci serait pour le mieux;
mais tu es, en nous (c’est pire)
comme le noir milieu
d’un châle brodé de cachemire.

 

II

Ô faisons tout pour cacher son visage
d’un mouvement hagard et hasardeux,
il faut le reculer au fond des âges
pour adoucir son indomptable feu.

Il vient si près de nous qu’il nous sépare
de l’être bien-aimé dont il se sert;
il veut qu’on touche, c’est un dieu barbare
que des panthères frôlent au désert.

Entrant en nous avec son grand cortège,
il y veut tout illuminé, -
lui, qui après se sauve comme d’un piège,
sans qu’aux appâts il ait touché.

 

III

Là, sous la treille, parmi le feuillage
il nous arrive de le deviner:
son front rustique d’enfant sauvage,
et son antique bouche mutilée …

La grappe devant lui devient pesante
et semble fatiguée de sa lourdeur,
un court moment on frôle l’épouvante
de cet heureux été trompeur.

Et son sourire cru, comme il l’infuse
à tous les fruits de son fier décor;
partout autour il reconnaît sa ruse
qui doucement le berce et l’endort.

 

IV

Ce n’est pas la justice qui tient la balance préciser
c’est toi, ô Dieu à l’envie indivisé,
qui pèses nos torts,
et qui de deux coeurs qu’il meurtrit et triture
fais un immense coeur plus grand que nature,
qui voudrait encor

grandir…Toi, qui indifférente et superbe,
humilies la bouche et exaltes le verbe
vers un ciel ignorant…
Toi qui mutiles les êtres en les ajoutant
à l’ultime absence dont ils sont des fragments.

 

Eros

I

O du, Spieles Zentrum,
bei dem der Gewinner verliert;
wie Carolus Magnus renommiert,
Gott-König im Imperium,

du schleichst herum in Bettlertracht,
als klägliche Figur,
es ist deine verwischte Spur,
die dich mächtig macht.

Alles ist dir zum Gelingen geschickt;
doch bist du, in uns (schlimmere Qual)
wie von einem schwarzen Schal
die Mitte, kaschmirbestickt.

 

II

O tun wir alles, sein Gesicht zu verbergen,
das so scheel und gierig stiert,
er müßte sich wie ein Kind verzwergen,
damit sich seines Feuers wildes Lodern verliert.

Er kommt uns so nah, daß er uns trennt
von dem geliebten Wesen, das er sich greift;
Fühlung will er, Gott, den man barbarisch nennt,
den der Panther in der Wüste streift.

Wenn er in uns mit seiner großen Schar einzieht,
will er an unserm Glanz sich laben,
er, der hernach wie aus der Falle flieht,
ohne den Köder berührt zu haben.

 

III

Dort, unter den Reben, in laubigen Schauern
gibt bisweilen er sich uns kund:
eines wilden Kindes Stirne, eines Bauern,
und seinen urtümlichen, verstümmelten Mund …

Die Traube vor ihm scheint Schwere anzustauen,
als wär von seiner Schlaffheit sie besiegt,
für einen Augenblick streift man das Grauen
dieses Sommerglücks, das trügt.

Und sein rohes Lächeln, wie es niederfließt
auf all die Früchte, die strotzend um ihn schwellen,
wie er ringsum seine List genießt,
die ihn wiegt auf Schlafes Wellen.

 

IV

Nicht das Recht ist es, das die Waage hält im Gleichgewicht,
du bistʼs, o Gott der Gier ohne Verzicht,
der unsre Makel auf die Waage hebt
und der aus zwei Herzen, die er quetscht und zerreibt,
ein ungeheures Herz erschafft, das keine Natur mehr sich verleibt,
und er ist bestrebt,

es größer noch zu machen … Du, gleichgültig und voll Hochmut,
machst klein den Mund und wirfst groß das Wort wie Glut
an einen Himmel, der für alles blind …
Du, der die Wesen zerreißt und sie spinnt
in die äußerste Leere, wo sie zerrissne Fäden sind.

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