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Der blöde Gast

28.01.2019

In der ausgewaschenen Luft der Museen
erkenne ich nichts.
Wie hängen all die Bilder
blind an einer Wand
aus fein poliertem Totgebälk.

In den Katakomben des Traums,
wo heimlich eine Kerze
vorm Bildnis eines Engels singt,
will ich mit ihr lodern.

Unter der auswattierten Muschel des Saals
flattern die Klänge
wie bange Schwalben aus dem Nest
der Geigen und Hörner
und finden kein Fenster
offen in die blaue Nacht.

Unterm Sternenlicht der Heckenrosen
will ich wie mit Flammen
auf den roten Zungen
der Nachtigallen zittern.

Beim Geklirre aufgeprallter Kehlen
und kalten Lachens Tropfen
auf den Feiertischen
klebt meine Seele starr
als Fliege an der Wand.

Wenn Abend wieder öffnet
seiner Hoheit goldene Waben,
will im Flug ich dunkle Süße finden
dem scheuen Mund des Lieds.

 

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