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Der zerbrochene Zauberstab

07.10.2026

Philosophische Sentenzen und Aphorismen

Schattengitter. – Sprachgitter.

Gemeines Unglück: zu wissen, wessen man entbehrt; ungemeines: es nicht zu wissen.

„Der zerbrochene Zauberstab“ – eine ungeschriebene Geschichte alter und neuer Dichtung.

Nostalgie malt der Kindheit Haus und Garten, worin die nackten Traumgestalten, Pomona und Venus, vom Kalk des Alters überkrustet, vor sich hin dämmern.

Wir ließen hin den Haken fahren, womit die Asche wir sinnlos noch geschürt, und standen kalt am Herde, als die letzte Glut erlosch.

Aus dem Traum der Sprache jäh erwacht, ein Tropfen Blut nur blieb als Glanz, wo sich der Vers am scharfen Dorn des Wirklichen geritzt.

Kadaver eines Wals, der am Ufer der erloschenen Sagen stinkt.

Talmigold des Sinns, eines Gedichtes blechernes Blattwerk, das vom gleisnerischen Kuß des Mondes klirrt.

Unbewußte Träne, die in die Falte tauben Fühlens rann.

Am Zappeln des goldenen Fisches, den das Netz der Verse fing, wird es schließlich reißen.

Die Sehen mit der Erregung optischer Zellen, Denken mit dem Feuern von Neuronen verwechseln, diese Hochdotierten und Preisgekrönten stellen auch die Avantgarde bei der Verwüstung und Vulgarisierung des ästhetischen Urteils und Geschmacks.

Das Gedächtnis, zumal das dichterische, ist keine Rumpelkammer, in der man zufällig auf das Kästchen mit dem Schmuck der Ahnfrau stößt.

Sprach-Spiegel, der dem Betrachter seine Totenmaske zeigt.

Eden, einst in die verdämmernde Vorwelt projiziert, dann auf ferner Inseln blütenleises Schwanken, schwebte am Ende, eine halluzinierte blasse Rose, auf den schlammigen Abwässern Babels.

Vorm Gesang aus dem Feuerofen mußte das dichterische Ingenium abdanken.

Trübsal und Dumpfheit wollen gleichermaßen von schillernden Federn gekitzelt werden.

Um eines höheren Zweckes willen – der Moral, des sozialen Lebens – schreiben die Uninspirierten, die niedrig Gesinnten.

Barbaren ist die Abkunft, ob edel, ob gemein, einerlei.

„Menschenwürde“ ist das Entreebillet in die komfortable Hölle, deren parfümierte Rauchschwaden jedes Antlitz ins gleiche Grau hüllen.

Die alle Grenzen niederreißen wollen, machen auch vor der Tür des Einsiedlers nicht halt.

Trauer leidet am ephemeren Verlust, den ihr bald ein Surrogat wettmachen mag; Schwermut am unwiederbringlichen.

Unwahres sagen ist fast ein komisches Übel neben dem tragischen, aufgrund unserer anthropologischen sprachlichen Verfaßtheit nicht umhin zu können, das Licht der Wahrheit im Dunst der Worte und Begriffe zu vernebeln.

Lächeln, der Frühe träumerisches Licht, welches Grinsen verdunkelt, erweckt uns manchmal noch die Jungfrau mit dem Kind, das seine Hand ihr sacht entgegenreckt.

Als Heras Auge noch als das stumme einer Kuh die Sternennacht gespiegelt.

Nichts als ein Scheiterhaufen, der auf das Fanal der Flamme wartet, dieser immerfort anschwellende Wust von abertausend Büchern, in dem fetten Raupen gleich die Autoren und Leser ihre Schleimspur hinterlassen und durch den sich nicht einmal der Zahn der Langeweile frißt.

Der mit sich selbst Geschlagene, wie wild er um sich schlägt.

Wer auf kleiner Flamme schwelt, sieht milder scharfe Kanten, von einer Aureole umschäumt den Kontur des Todes.

Furcht lehrt sehen – zumindest die Gefahr.

Nun, da Frauen, geboren, um zu stillen, auf den Foren krakeelen, die lebendige Frucht gegen ein Messingschild tauschen, auf dem „Atelier Tigerfell“ prangt oder „Dozentin für Queerness“, können Männer nicht Väter sein wollen.

Das Epos gebar den Zwitter Roman, der Zauberstab zerbrach am erigierten Schalltrichter von Volkes Stimme, und Dichtung wurde Literatur.

Bevor das Wort sie trübte, hat der Dichtung Quell den Morgenstern gespiegelt.

Das Phantasma der schweigenden Dyade durchquert den Dialog der lauten Stimmen.

Dichtung, Irrsal des heimatlosen Worts.

Das Echo des zerklirrenden Krugs, der einen göttlichen Wein enthielt.

So hat die Hand gezittert.

Und so träumen wir von einem nie geschmeckten Trank.

Der Aufschrei, daß es sich zeige, verhüllt das Antlitz.

Linie des Worts, porös gleich dem Bergkamm aus Schnee der Montagne Sainte-Victoire.

Der nichts sagen wollte, sagte es.

Die vom Vers der Wille zur Form ausgeschlossen, wie in der Dämmerung vergessener Schilfe klingt sie geheimnisvoll herauf, Musik.

In der Flöte, im Aulos ist der reine Klang gleichsam ekstatisch entrückt; daher siegt der schöne Gott, der sein Lied mit der Laute begleitet, über den häßlichen Satyr.

Einer sagte, daß Bachs Harmonien, so fugenhaft verschlungen sie immer sein mögen, noch singen.

Den im Exil der Sprache Irrenden, leuchtet ihnen einmal aus stilleren Höhen ein Stern?

Die den Stab zerbrochen, gelangten sie in die Armut eines reineren Schweigens, eines stillen Abschiednehmens? – Racine ekelte zuletzt die düstere Leidenschaft und machte nach Phädra mit den profanen Stoffen Schluß. Shakespeare zog sich in sein Kaff zurück und blieb verschollen. Wie hat Rimbaud geschrien, als man das Bein ihm amputierte! Vielleicht sah Hölderlin aus dem Fenster des Turms manchmal dies Licht – oder halluzinierte es zumindest.

 

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