Weißer Kies und rote Blätter
Weißer Kies, geharkt zu Wellen-Zeichen,
um den stummen schwarzen Stein.
Mit der Nacht, dem Schmerz allein,
und kein Laut, kein Lied, ihn zu erweichen.
Rote Blätter, um- und umgewendet,
nirgends noch ein Schimmer Grün.
Wie hat goldener Hymnen Glühn
im Gestrüpp der Finsternis geendet.
Barfuß geh, die Stille aufzuscharren,
streu die Blätter auf den Kies.
Reißt auch unter dir das Vlies,
schweigend wird der Denkstein deiner harren.
Geschwänzelt oder geschwänzt
Die Geschwänzten können es nicht lassen,
schwätzend schwänzeln sie sich durch den Tag,
hielten sie des Nachts nur still.
Der kurzgeschoren ward der Rosenhag
läßt an die volle Knospe sich gern fassen,
daß ihr ein feuchter Glanz entquill.
Doch das graue Herz des Philosophen
das nach rotem Lebenssafte giert,
klopft im Dunkel ratlos vor sich hin.
Wie solch Denker auf die Rose stiert,
ah, ihr Duft raubt ihm den graden Sinn,
und jäh dichtet er in krausen Strophen.
Too happy Time dissolves
And leaves no remnant by-
‘Tis Anguish not a Feather hath
or to much weight to fly-
Höchster Schwung des Glücks
läßt lahm zurück und leer –
Gram hat kein Federkleid,
er wär zum Flug zu schwer –
Falter Vers
Den Falter, der im dunklen Keller lag,
hast du sanft emporgehoben
an das Licht der Gerbera.
Wie die Fühler bald gezittert,
als ein Tropfen sie geweckt,
o goldener Tau von droben.
Meinen Vers, ich will ihn heben
auf die Blüte deines Traums,
daß er ihre Süße schmeckt.
Flügel mit den Tupfen, roten,
fühlest du, wie sie erbeben,
die dir hold sind, Frühlingsboten?
Residuen des Fühlens
Die Töne fließen, schmelzen, drängen,
und doch fühlst du den Bogen,
sind sie vorbeigezogen.
Der Worte Sinn mag sich wohl längen,
wie Schatten hoher Bäume,
wie dumpf zerrupfte Säume.
Kaum aufgeschäumt, und schon versunken,
des Liedes weiche Welle.
Die Muschel sieh, die helle.
Ein Lächeln, das hold wem gewunken,
verschlang die graue Menge.
O Herz, das nach ihm sänge.
That it will never come again
Is what makes life so sweet.
Believing what we don’t believe
Does not exhilarate.
That if it be, it be at best
An ablative estate—
This instigates an appetite
Precisely opposite.
Daß es niemals wiederkehrt,
gibt erst dem Leben Wert.
Zu wähnen, es ging immer weiter,
macht uns nicht heiter.
Daß allenfalls es etwas ist,
was selber sich verzehrt –
reizt, daß sein Gegenteil
wird geradezu begehrt.
Sie streute Blüten
Sie streute, wem zum Zeichen,
weiß keiner, wer will’s auch wissen,
zu bestimmten Tageszeiten,
ob nach dem Sonnenstand
oder auch dem Lauf des Monds,
weiß keiner, wer kann’s auch wissen,
Orchideenblüten aus dem Fenster,
die sie wie eine Schlafwandlerin
langsam von den Knospen pflückte.
Und dabei sprach sie vor sich,
in einer fremden Sprache, in welcher,
weiß keiner, wer will’s auch wissen.
Erst schaute die Nachbarin
auf dem Flur, wenn sie kam, unter sich,
ob aus Ärger, vor Verlegenheit,
weiß keiner, wer kann’s auch wissen.
Doch als sie begann, abends
mit aufgelöstem Haar
am offenen Fenster zu singen,
in einer fremden Sprache, in welcher,
weiß keiner, wer will’s auch wissen,
erhielt sie nach zwei Wochen
ein Einschreiben mit der Drohung
sofortiger Kündigung bei Zuwiderhandeln.
Eine Kerze brannte noch des Nachts
am Fenster, sie war schon fort. Wohin,
weiß keiner, wer will’s auch wissen.
Kürzlich sah ich eine schöne Frau
aus einem Blumenladen treten,
eine weiße Orchidee in der Hand.
Ach, wie habe ich sie angelächelt,
sie pflückte ein paar Blüten ab,
um sie vor mir auf den Weg zu streuen.
Und schon war sie entschwunden.
War sie’s, war’s ein Phantom,
ich weiß es nicht, werde es nie wissen.
Der eingesperrte Pirol
Sonnabend war’s, die Sommerluft noch lau,
er kam, am blauen Bande die Gitarre.
Da weiß er eine, daß sie seiner harre,
zigeunerschwarz das Haar, das Auge blau.
Die junge Frau, Pirol, der eingesperrt,
und mochte girrend um den Fremden flattern,
zu ihm entschlüpfen aus den kahlen Gattern,
doch Schwarzmagie hat sie zurückgezerrt.
So blieb ihr nur, den Vorhang scheu zu teilen,
zu schlürfen süßen Sang von herben Lippen,
dem weichen Fado summend nach zu wippen,
bis Honig sie gewürgt von Abschiedszeilen.
Dann ging sie in die Küche, und es klirrte,
wo dumpf im Porzellan die Mücke sirrte.
Der hingestürzte Dichter
Der hingestürzt, er will nun liegenbleiben,
das Dunkel, das da wächst, nicht mehr erhellen.
Gespenstisch rauscht die Nacht von schwarzen Quellen,
ein schwarzer Wind klirrt in den Fensterscheiben.
Rings türmen sich die Stapel alter Bände,
Gebirge mit dem Glanz des Unerreichten,
Kristalle, die nie Tränen je erweichten,
und war kein Duft, daß er den Wundklee fände.
Laß, Dichter, schlaflos Verse aufzuklauben,
die Perlen einer Kette, die gesprungen.
Träum, Aphrodite schickt dir ihre Tauben,
zu bergen, was dem Meer du abgerungen.
Sieh, Liebe fädelt auf die süßen Trauben.
O Glanz auf Hüften, graziös geschwungen.
Ein Augenblick genügt
Du kommst und scheinst mit allem gleich vertraut.
Doch wie das Wasser, wenn es Wolken spiegelt,
die hohe Luft nicht kennt, die sie beflügelt,
ahnst du die Tiefe nicht, die dunkel blaut.
Und lallst du süße Worte vor dich hin,
scheint sich dein Dasein wie ihr Klang zu dehnen.
Doch scheu muß es an harten Gattern lehnen,
gleich Knospen, harrend auf den lichten Sinn.
Wie Duft weht, hat geöffnet sie das Licht,
hat Liebe dir das Wort im Vers erschlossen.
Und bangtest du, er sei ins Nichts geflossen,
sein Duft ließ lächeln noch ein Angesicht.
Muß kaum gehaucht der Vers auch schon verwehen,
ein Augenblick genügt, ihn zu verstehen.
Gepfercht ins schwarze Quadrat
Von der Ikone Gold ins schwarze Quadrat,
vom hohen Odenton zum tiefen Schweigen,
so mußten wir dem Abend uns denn neigen,
da zischend rollt ins Meer das Sonnenrad.
Steigt ein Komet auch aus der Nacht hervor,
ein heißer Schweif, entfacht in fernen Welten,
wird er für keinen Boten uns mehr gelten,
uns heimzuleiten durch das dunkle Tor.
Die Harfe Davids überwuchs ein Gras,
gedüngt von grauer Asche der Erstickten,
geblendet wurden, die den Stern erblickten,
die Zunge faulte, die von Eden las.
Geh, Dichter, stumm entlang an kahlen Steinen,
zu trocken ist dein Vers, um noch zu weinen.
Anmerkung zum Verständnis:
„Das schwarze Quadrat“ bezieht sich auf das berühmte Bild des russischen Malers Kasimir Malewitsch.
Flaum von Wahngefieder
Wie fern klang, was du selbst gedacht,
kam es aus fremdem Munde.
Der Purpur, der aus Wolken rann,
troff wie aus eigner Wunde.
Die Blume mit dem samtenen Saum
verblich, und hast berührt sie kaum.
Was du als Leben dir erzählt,
enthielt das Buch der Mythen.
Die dir den dunklen Pfad erhellt,
Sternbilder, sie verglühten.
Fahl zog ein Kiel Schaum übers Meer.
Ihm sahst du lange hinterher.
Was du gesungen vor dich hin,
stand schon im Lied der Lieder.
Wie du hat Leda einst gefühlt,
Flaum war’s von Wahngefieder.
Gesang, als sprengte er den Wall,
dein Puls war es, sein Widerhall.
Sonett von den Schattenspielen
Grimassen sollen uns nicht blenden, Zucken
der Wollust nicht, nicht Krampf in Lachen Blut.
Fern sei das Schreien aufgepeitschter Wut,
das Seufzen, wenn perverse Bilder jucken.
Uns ekelt, fliegt das hohe Wort in Fetzen,
quietscht reiner Reim wie rostiges Metall,
verschleimt den Rhythmus lüsternes Gelall,
will Phrasen drein der kecke Zeitgeist schwätzen.
Wir wollen Spiele stiller Schatten sehen,
die schwach im Schein der Abendsonne zittern,
die wie in Träumen hin- und widergehen
und leise Worte sagen, die erschüttern.
Daß uns sublimer Verse Düfte wehen,
als rankten Rosen noch an zarten Gittern.
Sonett von der erfüllten Prophezeiung
Schon knirscht wie prophezeit ein weißer Sand
in feinen Spalten zwischen Sinn und Zeichen.
Die Knospen mußten ohne Tau erbleichen,
und was den Vers genährt, der Duft entschwand.
Nur Dunst zu träumen trägt heran der Wind.
Die umgestürzten Male, wo um Namen
ein Flor gerankt aus Mnemosynes Samen,
sind überschrieben schon von schwarzem Grind.
Der in der stillen Nische hat gewacht,
dem Engel ward der Flügel weggebrochen.
Was Andacht flehentlich zu ihm gesprochen,
die Glut des Herzens löschte aus die Nacht.
Willst, Dichter, du noch in der Wüste hausen,
den schwachen Odem opfern dumpfem Brausen?
Wie sich die Geister scheiden
Die Schar der Tauben scheint ein einzig Wesen,
eins flattert auf und alles folgt ihm bald.
Was zieht sie an mit magischer Gewalt,
wer hat zur kleinen Schar sie auserlesen?
Hat einen First sich eine auserkoren,
lädt nickend, wippend sie die Freunde ein.
Bald siehst den ganzen fiedrigen Verein
du hocken dort, ein Clan, der sich verschworen.
Doch siehst du auch, wie sich die Geister scheiden,
hast auf den Hof du Körner hingestreut.
Wie eine bang der anderen Schnabel scheut,
wenn sie einander jedes Körnchen neiden.
Die beiden nur, die jüngst verpaart sich haben,
sie picken Seit an Seit geteilte Gaben.
Der Liebe dunkles Bangen
Ist dies der Tag nicht, dieses nicht die Stunde?
Der Pfad nicht, den sie lächelnd stets gegangen?
Ihn überkommt der Liebe dunkles Bangen,
als bräche auf, die nicht mehr heilt, die Wunde.
Vielleicht, daß wie vom Dämon überschauert
sie ihn vergessen hat, zerschnitten wäre
das treue Band wie von der Parze Schere,
und keinen wüßte sie, der um sie trauert.
Ein Schwindel faßt ihn an bei dem Gedanken,
er habe alles nur geträumt, dies Leben,
o Tau, o feuchter Glanz auf grünen Reben,
o Niederrinnen an verdorrten Ranken.
Da glüht jäh ihre Hand in seiner kühlen.
Daß Liebe wahr sei, wirklich, was wir fühlen.
Sonett von der blinden Anmut
Blind ist die Anmut. O, sie lächelt.
Vom Anblick all der Fratzen unverstört,
wird einzig sie vom Wind der Nacht betört,
der ihre glatte, stille Stirn umfächelt.
Auf jähen Graten geht sie ohne Schwanken,
sieht nicht den Abgrund, wo der Geist erschrickt.
Ins Netz der Zeichen ward sie nie verstrickt,
Gestirn und Mond, sie weckten kein Verlangen.
Da hört im Dunkel sie, wie Früchte fallen,
das Schluchzen eines Kinds, das ungestillt,
ein Seufzen, das aus fernen Brunnen quillt,
den Schrei der Maus in einer Eule Krallen.
Mag sie mit Watte sich die Ohren stopfen,
im tiefen Grund hört sie ein banges Klopfen.
Jahreszeiten der Liebe
Betört dich Sommerduft noch, wenn es tagt,
glimmt dir in des Adonis roter Blüte
ein Tropfen Blut noch jener grauen Mythe,
hat Schwermut dir das Mark nicht ganz zernagt.
Und ward, da hin sie schied, dein Blick getrübt,
und mag das Licht des Herbsts ihn nicht erheitern,
spricht doch der Blätter Fall dir nicht von Scheitern.
Singt dunkler auch das Herz, es hat geliebt.
Wie dämpft den Lärm der Welt ein Vlies von Schnee.
Süß ist das Knirschen aber sanfter Schritte,
als träte sie zu dir, als ob sie bitte:
Laß schlafen unterm weißen Tuch das Weh.
Daß nur kein scharfer Strahl das Tuch zertrenne,
nur Mnemosynes milde Leuchte brenne.
Rat für alternde Dichter
Rühr nicht daran, dreh ihn nicht um, den Stein,
was immer sich darunter windend schimmert,
die Aussicht läßt zurück dich bloß bekümmert,
als kröche schon Gewürm um dein Gebein.
Wühl durch das Dunkel nicht im alten Schrank.
Kein Wohlgeruch wird dir entgegenwehen,
verblichener Tage Mumien wirst du sehen.
Vorm dumpfen Duft sinkst hin du schwermutkrank.
Geh, Dichter, drum auf morgenfrohen Pfaden,
streif ab von Blüten Tropfen, die noch glimmen.
Laß bleichen Reim auf blauen Wassern schwimmen,
im kühlen Quell erhitzte Verse baden.
Der Stein, der sie bedeckt, ist schon gebrochen,
der sie zernagt, der Wurm schon ausgekrochen.
Der Urweltsumpf
Kein Segensflügel, der herniedergleitet,
wo jäh versinkt zartgliedriges Gebild
im Sumpf voll Aas, dem bittrer Dunst entquillt,
der Trübsal in das Herz des Dichters leitet.
Wie stürzen lüstern wir in wildes Zischen,
den faulen Schaum im Phrasenkatarakt.
Statt still zu wiegen uns im Psalmentakt,
wird Gischt von Schreien Wort um Wort verwischen.
Die alte Schlange geifert noch im Mund,
Alraune soll, Tollkirsche soll uns nähren,
als würden wir an Giften erst gesund.
Der Seuche Flecken, wie sie sich vermehren,
die Haut der Seele, rissig, Schrund an Schrund.
Nur ohne uns kann Eden wiederkehren.
Altern eines armen Dichters
Knabe warst du, bargst dich zwischen Halmen
auf des Moselufers gelber Schwelle,
lauschtest, wenn der Silbermond verblaßte,
wie gereimt sich Welle hat auf Welle.
Schulbub gingst du mit dem Lederranzen,
dran ein Läppchen albern hat gebaumelt.
Vor den wirren Kringeln auf der Tafel
bist du, Träumer, wie im Schnee getaumelt.
Ein Student mit runder Nickelbrille
hast du Namen eitel aufgeschrieben.
Von dem Spottgelächter einer Schönen
ist Trochäen-Schwanken dir geblieben.
Reif geworden, nein, von dunkler Venus
scharfen Wimpern beinah blind gestochen,
bist gesenkten Blicks du in die Grotte,
weicher Verse Widerhall, gekrochen.
Grauschopf, schleppst nun Tüten aus dem REWE.
Was dich trüber Wachheit könnt entraffen,
Mohn des Morpheus kannst du dort nicht kaufen.
Bittres tropft aus Gaias Brust, der schlaffen.
Das erste Jahr des jungen Dichters
Beim frühsten Sonnenkitzel aufgesprungen
bist barfuß du ins scharfe Gras gerannt.
Am Abend war die Seele wund gebrannt,
die Melodie des Sommers schon verklungen.
Rot war der Herbst vom Blut der wilden Beeren,
ins Auge biß Kartoffelfeuerrauch.
Die Fiedel strich im Hinterhof der Gauch
und hob den Muschelton aus fernen Meeren.
Du bist in Höhlen blauen Frosts gekrochen.
Wie still es wurde unterm weißen Staub.
Gespenstisch schien der Sonnenader Pochen,
als wär die blasse Haut der Sehnsucht taub.
Daß, Dichter, Hauch des Frühlings dich entrücke,
dir Eros von der Stirn die Flausen pflücke.
Sonett vom auferblühten Wort
Was Dunkelheit entronnen, Tropfen Lichts,
du sammelst sie in irden-braunen Schalen.
Du spendest sie, daß Grün und Rot nicht fahlen.
Doch sparst noch Tau du auf, Glanz des Gedichts.
Zum Grabe gehst du, hauchst vom Stein den Staub,
daß lesbar seien Schrift und Andachtszeichen.
Und muß die Schrift, der Stein, das Grab auch weichen,
von Tränen Mnemosynes grünt ein Laub.
Was sinnend du aufs zarte Blatt geschrieben,
es wird mit Blättern welken, bald verwehen.
Wie’s auferblüht, wirst du vielleicht nicht sehen,
das Wort, das unterm Schnee noch wach geblieben.
Mag duften lieblich es dann jenen andern,
die es verlockt, in blauer Luft zu wandern.
Vom All umarmt und einsam sein
Durch fahle Adern pocht kein Sinn.
Verdorrte Blätter wirbeln schon
in Winkel trockner Seufzer hin.
Die Sonne sinkt, o roter Mohn.
An später Rose Wimpern schwillt
ein Tropfen Tau, und wenn er fällt,
ist Trübsal, was im Herzen quillt.
O daß kein Faden Licht uns hält.
Am Morgen gingen wir, ein Paar,
durchpulst von warmem Zartgefühl,
und helle Blicke sprachen wahr.
O Abendschatten, stumm und kühl.
Ins Wasser, wo die Weide sacht
die Haare taucht ins Rauschen ein,
wirft ihre Silbermünzen Nacht.
Vom All umarmt und einsam sein.
Dichterschwermut
Du hast, gewiegt auf schwarzen Wassers Samte,
im Traum die Sonnenknospen noch gesehen,
im dunklen Spiegel hellen Schnee von Schlehen.
Wie rasch erlosch, was Schwermut zart entflammte.
Der Ode Muschel, heiß ans Ohr gehalten,
gab preis nur fernes geisterhaftes Raunen,
bald schon erstickt von weicher Wehmut Daunen,
die sich am Adoneus-Perlmutt ballten.
Da sanft behauchte Lippen auf sich schlossen,
wie die nach Feuchte lechzen, lichtem Taue,
Herbstastern, bang, daß bald ihr Herz ergraue,
war trunkner Muse Krug schon ausgegossen.
Mystischer Nihilismus
Philosophische Sentenzen und Aphorismen
Einer sendet uns wiederholt zwei Dateien mit der Bemerkung: „Ich sende Ihnen ein paar Dateien.“
Hier dürfen wir vermuten, daß es sich um den Fehlgebrauch des Mengenbegriffs „ein paar“ handelt; ein eingefleischter Verschreiber („ein paar“ statt „ein Paar“) deutete auf den Fehlgebrauch des Begriffs „Paar“ hin, denn als Paare bezeichnen wir zwei durch irgendein Merkmal verwandte Zweier-Gruppen (wie 2 und 4 oder 4 und 16, die jeweils aus einer geraden Zahl und ihrer Potenz bestehen).
Einer sendet uns zehn Dateien mit der Bemerkung: „Hiermit sende ich Ihnen ein Dutzend Dateien.“
Es handelt sich offensichtlich um den Fehlgebrauch des Mengenbegriffs „ein Dutzend“. Denn daß sich der Schreiber hier verzählt haben könnte, wäre recht unwahrscheinlich.
Der Umstand, daß einer sich verzählt hat, ist wie jener, daß er sich verrechnet hat, kein Hinweis auf eine systematische Lücke oder eine kategoriale Schieflage in seinem Zahlverständnis, auch wenn sich die Fälle häufen, sondern auf ein mangelndes mathematisches Training.
Die Unfähigkeit des Mitglieds eines Amazonasstammes, keine größere Anzahl als die Anzahl der Finger einer Hand angeben zu können, und seine mathematisch eingeschränkte Fähigkeit, alles über die Menge von fünf schlicht „viel“ zu nennen, deuten dagegen auf eine systematische Lücke im Zahlverständnis hin.
Ein Scheckbetrüger, der entwendete oder gefälschte Schecks mit dem Namen des Betrogenen unterzeichnet, unterliegt keiner psychotischen Störung seiner Identität, sondern tut dies mit kaltem nüchternen Verstand.
In ähnlicher Weise handelt ein Heiratsschwindler, der, von kleinbürgerlicher Herkunft, sich einen Adelsnamen zulegt, um vor der Betrogenen zu imponieren, mag er auch an einer schon ans Krankhafte gemahnenden Neigung zur Selbstüberschätzung leiden.
Anders der berühmte Dichter im Turm, der seine auf Wunsch des Besuchers wie im Traum skandierten Gedichte mit dem Namen „Scardanelli“ unterschrieb und sie mit imaginären Orts- und Zeitangaben versah.
Hier deuten wir hinter dem seltsamen sprachlichen Gebaren auf einen tiefgehenden Riß in der persönlichen Identität.
Wußte aber Hölderlin in solchen Momenten nicht (mehr), daß er der Verfasser des „Hyperion“ und der Übersetzer sophokleischer Tragödien war? Oder hat er angenommen, daß der Verfasser des „Hyperion“ und der Übersetzer sophokleischer Tragödien ein gewisser Scardanelli sei?
Der Name „Scardanelli“ war für Hölderlin kein Pseudonym, hinter dem er seine wahre Identität auf ironische oder humoreske Weise verborgen hätte. So verpuppte sich der Dichter Fernando Pessoa hinter einer ganzen Reihe von geliehenen Namen, ohne seine wahre Identität bei ihrer Verwendung völlig preiszugeben.
Von einer extremen Störung des Bewußtseins sprechen wir im Fall des Psychotikers oder des Dementen, der auf seinen eigenen Namen nicht mehr reagiert oder sich für eine Person hält, die ihrer Umwelt dermaßen entfremdet ist, daß sie sich an die Identität der Angehörigen nicht mehr erinnern kann.
Hölderlin aber erkannte seine Umgebung und auch die Identität seiner Besucher, auch wenn er sie auf groteske Weise manchmal mit überhöhenden Titeln ansprach.
Rechtgläubige Christen wähnen sich ganz im Sinne der Zwei-Reiche-Lehre des Augustinus und Paulus aufgrund der Taufe und der Annahme eines heiligen Namens als profane Bewohner der bürgerlichen Welt und zugleich als Anwärter einer Wohnung in der zukünftigen.
Der vom Küchen-, Parfüm- und Fäulnisdunst der bürgerlichen Welt benommene Psychiater freilich kann nicht umhin, sowohl Hölderlin als auch dem Frommen eine schizophrene Bewußtseinsstörung zu attestieren.
Das aus der bürgerlich-profanen Welt der Zahlen und Daten, Bilder und Medien, der biographischen und historischen Benennungen herausgerissene Bewußtsein ist dieser Welt gleichsam in einer namenlosen Jenseitssphäre abhandengekommen, einer imaginären Insel gleich, die von den Wogen des Nichtwissens umrauscht wird oder denen des Wissens, daß es alle und alles vergessen wird und selbst im Begriff steht, von allen vergessen zu werden.
Der wirkliche Autor des Hyperion, der einer hohen Mission für das Heil der Menschheit zu erfüllen glaubte, verwandelt sich in den imaginären Autor namens Scardanelli, der hinter den ephemeren Gebilden der Turmgedichte unsichtbar wird und schon im Namenlosen versinkt.
Der Humanismus der Lessing, Herder, Kant, Schiller, der Glaube der Klassik an den sittlichen Fortschritt der Menschheit (vanitas, vanitas vanitatum), hat sich beim späten Hölderlin schon in einen mystischen Nihilismus aufgelöst, jenen Abgrund, der die großen Programme engagierten Denkens und Dichtens verschlingt.
Poésie pure, wie sie Baudelaire anzielt und Mallarmé als ephemeren Schaum auf der Woge des Gedichts beschwört, kreist um nichts, will nichts verkünden, nichts moralisch, pädagogisch oder politisch bewirken, den Abgrund des Schweigens nicht mit Phrasen und Parolen füllen, sondern ihn in jedem Wort, in jedem Kern und Mark des Sinnes offenlegen, schwarz, alogisch, namenlos.
Mystischer Nihilismus: Prediger Salomo, Meister Eckhart, Blaise Pascal – ohne Gott.
Die Sonne des Logos taucht in eine Abenddämmerung, an deren Rand geisterhaft der schwarze Schaum der Nacht hereinsickert, von keinem Stern, von keinem Mond beglänzt.
Gemurmel wie von Schatten, namenlosen, dringt aus dem Schilf des Ufers, wo die Flut schon steigt.
Sinnlos, inmitten des Untergangs von Saat zu reden oder Ernte, von der Arbeit im Weinberg, da Fäule der Rebe Blattwerk übergraut; Untergang, vom Zeitgeist unter den grellen Flaggen der Perversion gleisnerisch als Übergang zur einen Menschheit verklärt, und habe sie auch die geistige Physiognomie debiler Mischlings- und Zwitterfratzen (foeditas, foeditas foeditatum).
Keine Traube des Dionysos, die noch im Schmerzverlies des Dichter-Dulders gekeltert würde.
Keine Antigone, die den blinden Seher noch zur Entsühnung und Entrückung zum Hain und Heiligtum nach Kolonos führt.
Vanitas vanitatum
Bevor ich auf die Lichtung noch gelange,
bricht ab mein Lied in asphaltgrauem Schweigen.
Es kann, was dort geblüht, mir fahl nur zeigen
verwehter Duft von orphischem Gesange.
Und will ich an den Strom der Heimat denken,
wie er das Grün der Reben einst gespiegelt,
ist mir, von Schwermut sei das Herz versiegelt,
Schilf seh ich sich in schwarzes Wasser senken.
Geh ich im Traum entlang an Totenmalen
und will der Liebe holde Zeichen lesen,
fühl unterm dunklen Moos ich sie verwesen,
den Mücken gleich im Tau der Blumenschalen.
Und will ich mich zum Buch der Bücher retten
und schlag es auf, wo blind die Finger haften,
sagt mir Kohelet, jähe Tiefen klafften,
da sich die müde Seele wollte betten.
Terzinen zur Menschenkunde II
Es gleicht dem Uhu, der auf Zweigen kauert,
die überm Abgrund tiefen Dämmers ragen,
des Menschen Seele, wenn sie lüstern lauert,
um niederstürzend nach dem Schrei zu jagen,
der jäh verstummt in fühllos-dumpfen Klauen.
Sie weiß vom Sein des Andern nur zu sagen,
daß feuchte Augen aus dem Dunkel schauen,
die Tropfen glänzen, die an Blicken, heißen,
aus weichem Schnee des Schweigens niedertauen.
Sie fühlt die Nervenbahnen nicht zerreißen,
die stille Bilder in die Mitte trugen,
um noch mirakelhaft im Traum zu gleißen,
die Brücken nicht, die sich an Ufer schlugen,
wo die Verwaisten stets entgegenflehen.
Der Schnabel hackt entzwei die zarten Fugen,
und schlingt’s hinab vom Kopf bis zu den Zehen,
würgt aus, was unverständlich, das Gewölle.
Es scheint ein dunkler Spiegel das Verstehen,
geschwärzt vom Flammenruß aus Breughels Hölle.
Blick hinter die Manege
Im Gedenken an Max Beckmann
In der Manege magst du es gern sehen,
da lacht man, stolpert die traurige Gestalt,
bangt, ob noch überm Abgrund finden Halt,
die graziös auf unsichtbarem Seile gehen.
Der Löwe schüttelt ungebärdig seine Mähne,
die Peitsche ward barsch in die Luft geknallt.
Die Elfe wirbelt, man hat ihr Flügel umgeschnallt,
mit Ariel durch goldnen Gischt der Späne.
Doch siehst du nicht, wie im Zirkuswagen
die Müden sich der Seele Haut zerreiben.
Die Elfe läßt von Ariel sich sagen,
sie könne endlich ihm gestohlen bleiben.
Und der die Peitsche schwingt, ihn hört man klagen,
das Untier wird ihn in den Wahnsinn treiben.
Siehe auch:
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/zirkuswagen
Nach den Wettern
Stürme peitschten Schäume, die noch glimmen,
bis glatte Wasser schwarzen Marmor breiten.
Als möchten treue Boten sie geleiten,
will Schwermut an das Jenseitsufer schwimmen.
Schatten sank, in reiner Bläue stehen
von Wolkendolden Rispen, die erzittern,
wie Kinderseelen nach den Ungewittern.
Wir aber wollen in die Schilfe gehen,
die hold vom feuchten Glanz des Himmels schauern.
O mag in deines Nackens Flaum er triefen,
Schreie wecken, die im Herzen schliefen,
mir wär, als brächen sie durch tote Mauern.
Eitel Traum, geleimt aus Reimen, dummen.
Wie stets will einsam ich am Ufer schlendern,
bis Purpur sickert an den Wolkenrändern,
die Rufe leiser werden und verstummen.
Terzinen zur Menschenkunde I
Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh
Prediger Salomo
Fremdling, auf kalter Erde ausgesetzt,
die um den Stern, den gnadenlosen, irrt,
da schwätzt er viel, doch schweigt zu guter Letzt.
Vom Dämon eines schwarzen Drangs gekirrt,
sucht er umsonst die Fliege zu erschlagen,
Geschmeiß, das zwischen seinen Schläfen sirrt.
Er sät das Wort und erntet dunkle Sagen.
Er jagt das Wild und wird nur selber wilder.
Denn seine Seele ist ein Wurm im Magen,
und seine Träume sind wie trunkne Bilder,
Gewog von trübem Dunst, Chimären.
Nie stimmt ihn die Erfüllung einmal milder.
Eden hieße, daß keine Menschen wären.
Lärm ist sein Teil, nicht, was die Dichter sangen,
vom Stöhnen jener, die im Schmerz gebären,
was dumpfen Grunzens geistlos ward empfangen,
bis zum Gejammer öder Sterbezimmer,
wo sie noch nach dem Wahn des Trostes langen,
ihr eitles Monument vergehe nimmer.
Will hoher Wille sie zu Chören binden,
zu edlen Ausdrucks wunderlichem Schimmer,
sieht man sie bald im Staub des Lärms sich winden.
Siehe auch:
Johannes Brahms, Vier ernste Gesänge
https://www.youtube.com/watch?v=knHeiIjzvYU&list=RDknHeiIjzvYU&start_radio=1
Schattengang
Es hat ein Schatten,
der über Sonnenpfade ging,
gesungen.
Es ist ein Tropfen,
der an der Blütenlippe hing,
zersprungen.
Es ist die Flocke,
kaum daß sie eine Wimper fing,
zerflossen.
Es hat die Schwermut
ihr Herz, als fort die Liebe ging,
verschlossen.
Es hat der Dichter
die Glut, daß sie statt seiner sing,
beschworen.
Es hat die Liebe,
ertaubt war ihr die Haut, den Ring
verloren.
Catherine Pozzi, Nyx
À Louise aussi de Lyon et d’Italie
Ô vous mes nuits, ô noires attendues.
Ô pays fier, ô secrets obstinés.
Ô longs regards, ô foudroyantes nues.
Ô vol permis outre les cieux fermés.
Ô grand désir, ô surprise épandue.
Ô beau parcours de l’esprit enchanté.
Ô pire mal, ô grâce descendue.
Ô porte ouverte où nul n’avait passé
Je ne sais pas pourquoi je meurs et noie
Avant d’entrer à l’éternel séjour.
Je ne sais pas de qui je suis la proie.
Je ne sais pas de qui je suis l’amour.
Nyx
Für Luise von Lyon und jene aus Italien
O meine Nächte ihr, o Warten, rasch verdunkelt.
O hohes Land, o Heimlichkeit, versiegelt.
O Blicke tief, o Wolken, blitzdurchfunkelt.
O Flug gewährt jenseits von Himmeln, die verriegelt.
O Wünsche weit, o Freuden, jäh genossen.
O schöner Pfad des Geistes, des verzückten.
O ärgster Tort, o Anmut, von grauem Dunst umflossen
O Flügel aufgetan, die keinen noch entrückten.
Ich weiß nicht, warum ich sterbe, sinke hin,
statt aufzusteigen in die ewige Welt.
Ich weiß nicht, wessen Beute ich wohl bin,
Ich weiß nicht, wessen Liebe mich noch hält.
Bis die Ströme dunkler singen
Wolken spenden Glanz
am grauen Himmel.
Gräser schauern still
um deinen Fuß.
Jäh trennen Blitze
die Naht der Lüfte auf.
Dunstchimären
werden Schatten.
Regen fließt,
und fahle Tropfen
mischen sich
mit hellen Tränen.
Lehn dich an der Birke
weiße Lende,
warte, bis die Ströme
dunkler singen.
Wirbel auf dem Wasser
Wirbel auf dem Wasser,
Höhlungen des Nichts,
die mit Glanz sich füllen,
Schaum des Monds, Chimären.
*
Seufzer, abendlich,
veilchenblasser Lüfte,
Falten, rasch gestrafft
von dämmergrauer Hand.
*
Verse, volle Trauben,
schimmernd unter Ranken.
Wer mag sie pflücken, keltern,
läßt reifen Gold im Dunkel?
Wem gehen auf im Kelch
Blumen des Erinnerns?
*
Scheue Knospe Wort.
Duft, verborgener Sinn.
Wird offen sie dem Licht
die Seele öffnen auch,
die still vorübergeht?
*
Woge, sie verebbt.
Muschel, die im Sand
sie ließ, ein Wunderkind,
träumt ihr, seufzt ihr nach.
*
Trance des Flötenspiels,
schwermutblaue Nacht.
*
Schnee auf Amoretten,
weicher Wehmut Vlies.
*
Morsches Gartentor,
ächzend wie im Schlaf,
wenn die Liebe scheu
auf den Kiesweg tritt.
*
Fahle Aschenglut.
Müder Mund, der haucht,
Funken, blauer Schwarm,
der im Dunst ergraut.
Lose Zettel
Philosophische Sentenzen
Für die Fliege Satans,
die unterm Schädel des Besessenen sirrt,
gibt es keine Fliegenklatsche.
*
Augenblick der Orchidee,
wenn ihre Lippe seufzt
vom wilden Andrang einer Biene.
*
Taub ist das Gras für das Flüstern des Winds,
worin es schauert und sich beugt.
Du aber lauschst dem Regen,
der ans Fenster deiner Schwermut
nachtlang prasselt.
*
Verse, Tropfen,
die an deinem Fenster
langsam niederrinnen,
schwacher Glanz
vor der Dunkelheit,
die unaufhaltsam wächst.
*
Dem Derwisch gleich,
der sich tanzend schraubt
in mystische Leere,
wirbelt um sich selbst
und ihre Sonne
im Nichts des Alls
die Erde.
*
Wir haben Augen, zu sehen, wo wir sind;
doch kein Organ, zu messen, wie lange.
(Die Uhr sagt uns nichts über unser Zeiterleben.)
*
Fluktuierendes Vakuum.
Das beredte Schweigen Gottes.
*
Wald, eine gewisse Anzahl von Bäumen.
Baum, eine gewisse Anzahl von Blättern.
Blatt, eine gewisse Anzahl von Zellen.
Zelle, eine gewisse Anzahl von Molekülen.
Molekül, eine gewisse Anzahl von Atomen.
Atom, eine gewisse Anzahl von subatomaren Teilchen.
Teilchen, eine unzählbare Folge von Quantenzuständen.
*
Warum können wir die Betrachtung nicht umkehren,
gelangen wir vom subatomaren Teichen nach einer
endlichen Reihe von synthetisierenden Schritten
nicht zur Zelle, zum Blatt, zum Wald?
*
Die Säule trägt den Architrav
mit seinen mythischen Bildern.
So ruht auf Ungesagtem
alles Gesagte.
*
Wir können mit der Person,
die wir einmal waren,
uns nicht verständigen;
wir sprechen mittlerweile verschiedene Sprachen.
So täuscht uns die Erinnerung.
*
Die Gegenwart ist uns versperrt.
Wir zehren von Vergangenem,
das es nicht mehr gibt,
verzehren uns nach Zukünftigem,
das es noch nicht gibt.
*
Kain, der Utopist der Menschheitsverbrüderung,
bei deren Verwirklichung er vor dem Mord an Abel
nicht zurückschreckt.
*
Die trübe Aussicht ins Ungewisse
ist uns allemal genehmer
als der klare Blick auf das Verhängnis.
*
Auch der Hoffnungslose hofft:
daß er richtig lag.
*
Der Unleidliche, der Misanthrop, der Rezensent –
sie sind wie der enttäuschte Liebhaber,
der nicht mehr ihr schönes Antlitz bewundert,
sondern unverwandt auf die kleine, unscheinbare
Warze auf ihrer Wange starrt.
*
Das Schicksal stellte ihm ein Bein;
endlich konnte er sich einmal ruhig ausstrecken.
*
Der Zeitgeist macht keinen Unterschied
zwischen hoch und niedrig, edel und gemein.
Für ihn sind alle gleichen Ranges.
*
Die Zeitgeistigen wollen über alles reden und mitreden.
Vor allem über Dinge, die sie nicht verstehen
oder in deren Atmosphäre sie nicht atmen könnten.
*
Er wähnte, in eine Vergnügungsstätte eingeladen
worden zu sein; aber am Ende des Korridors
drang ihm Fäulnisgestank entgegen und das Stöhnen
von Siechen und Moribunden.
*
Die mühsam oder gerissen ins Werk gesetzte Erfüllung
unserer Wünsche beglückt uns nicht.
*
Der geistig Hinkende weist die ihm vom geistig Gesunden
gereichte Krücke entrüstet zurück.
*
Vom Albtraum bedrückt legen wir uns auf die andere Seite,
wo uns das verlorene Glück traurig anlächelt.
*
Wie kann der sanfte Hügel von Golgotha
den Felsen der Akropolis überragen?
Wie der nächtige Schrei am Kreuz
die Sonne des Logos verfinstern?
Des Menschen Tage sind wie Gras
Psalm 103, 15
Alles ist eitel und ein Haschen nach Wind.
Prediger Salomo 2,17
Glücklich, die nicht daran denken,
wenn sie durch das Fruchtland streifen,
blasse Birne will noch reifen,
goldne sich zur Erdnacht senken.
Dichter, Wort und Sinn ergeben,
hebt sie in kristallene Schalen.
Wie auch solche Früchte fahlen,
hofft er nicht mehr zu erleben.
Denker, Daseins Sinn zu fassen,
läßt vom Sonnenlicht sich blenden.
Will was Kreuz und Nacht vollenden,
Golgotha nicht gelten lassen.
Seelenspiegel sind uns Künste,
Klagetöne, Jubelfarben.
Doch wo ihre Sonnen starben,
trüben sie des Dämmers Dünste.
Mund mag sich am Mund erwärmen,
blühen hingeneigt sie beide.
Welk vom Alter, bleich vom Leide,
wird uns leere Sehnsucht härmen.
Vom Halbschlaf zerquält
Wähnst du fern im Schlaf dich schon,
wogt das Dunkel, blaut die Stille,
ist dir, daß im Ohr es schrille,
wie geritzten Glases Ton.
Fliege, die wie trunken sirrt,
hast du träumend dich verfangen,
bist der Angst ins Netz gegangen,
daß der Geist am Abgrund irrt.
Und du hoffst, daß jene Spinne,
Dämon, der das Netz gewebt,
gnädig zu dir niederschwebt
und das Blut im Nichts verrinne.
Schattenzart sinkt sie hernieder,
und das Sirren ist erstickt.
Endlich bist du eingenickt.
Süßer Krampf durchzuckt die Glieder.
Phantasma toxischer Männlichkeit
„Ist kein Hüter, mit dem Stabe sie zu lenken?
Sie streunen wild umher, und unerträglich
schwillt Tag und Nacht das törichte Geschnatter.“
„Der Herr ist tot, die Gatter stehen offen,
die Gänse watscheln unterm milden Schutz nun
einer dekadenten Gutsverwaltung,
die nichts von rechter Zucht mehr wissen will.“
„Wie denn, dem Ganter hat man umgedreht
sogleich den Hals, und unbefruchtet liegt
das Ei im Gras, und keine Glucke brütet?“
„Sie wollen sich nicht mehr vermehren, nicht
mehr Nester bauen, Küken nicht geleiten
in eine Zukunft, die nicht gansgerecht.
Der Sinn der Mutterschaft ward zum Tabu.
Unfruchtbarkeit sei auch gerechte Sühne,
weil hingeschlachtet ward das Hühnervieh,
auf daß die Ahnen seinen Stall beerbten.“
„Es hab die Eule ihnen prophezeit,
die Teiche trocknen, Kräuter würden giftig,
so schwadronierte jüngst, den man geschaßt,
der Hütejunge, war wohl voll des Weins.“
„Drum toben sie hysterisch durch die Gegend.“
„Uns aber ist vergällt der Abendfrieden.
Sie recken ja den Schnabel schon zum Mond,
ihr Zischen malträtiert das weiche Ohr
des Dichters und des Denkers stillen Geist.“
„Den Unsinn eines Daseins, das entwurzelt,
betäuben sie im Lärm wie von Bacchanten,
wenn auch kein Bacchus naht mit süßen Beeren.“
„Dem schlichten Leben sind sie schon verloren,
zerstochen längst von Stacheln eitlen Wahns,
in Promenaden die gefärbten Federn
aufzuspreizen vor kristallnen Spiegeln.“
„Du kennst vom Berg den Ausblick? Nun, erwäge,
wie dort im öden Bruch die Füchse schleichen.“
„Ich seh, was Böses du im Herzen sinnst.
Die Roten sind nicht zähmbar, bleiben feind,
zum Asyl willst du sie gleichwohl locken.“
„Der Häscher soll die Gans das Fürchten lehren,
daß sie in ihr Gehäus mag wieder flüchten.“
„Die dumme Unschuld, holden Willkomm flatternd
um ihren Würger, wird wohl Federn lassen.“
„So wollen wir noch diese Nacht die Fährte
aus Blut und Fett auf dunkle Moose streichen,
vom offnen Tor bis hin zu ihrem Bau.“
Sinnbilder, gereimt und ungereimt
Wie weit wir auch des Sinnes Grenzen ziehen,
was jenseits liegt, das Ungesagte,
ins Grenzenlose wird es ewig uns entfliehen.
*
Je strenger wir den Maßstab fassen,
dem unser Sagen soll genügen,
je mehr wird Mundes Blume blassen.
*
Die einst von Götterfabeln sprachen,
verstummten, geisterhafte Funken,
als sie aus dunkler Niemandsleere brachen.
*
Die kindlich du aufs Wassers hobst, daß fort sie schwimmen,
Bötchen von Papier, bestückt mit kleinen Kerzen,
siehst manchmal du noch fern im Traume glimmen.
*
Die Seele lag auf ihrer Hand,
ein müder Falter, den sie dir vor Augen hielt,
als wär er ihres Daseins Unterpfand.
*
Der früh besessen war von Lichtkristallen,
die aufgeglänzt in tiefer Nacht,
fand spät an Graunuancen sein Gefallen.
*
Weil Gottes Nagel selbst sie eingeritzt,
schien unbestreitbar Satz für Satz der Tafeln.
Dann galt, wer dies als Bild durchschaute, für gewitzt.
*
Sein Dämon hat gen Gallien Caesar einst getrieben,
so ward es der Romania Herz, la Douce France,
allwo Racine, Pascal, Molière und Proust geschrieben.
*
Gold und Geist, die unterm Lilienbanner strahlten,
zerrieb, verdunkelte der Haß befreiter Meuten,
die in der Asche mit drei öden Farben prahlten.
*
Torheit wähnt sich auf der höchsten Stufe
einer steilen Treppe, die sie nicht gebaut,
doch vernimmt sie nicht die dunklen Rufe
aus der Tiefe, wo die Flut der Zeit sich staut.
*
Fotos der Verwandten, eins gelegt aufs andre,
doch schimmerte kein Urgesicht hervor,
Aug sprach zur Nase, Mund zum Kinn: mäandre.
*
Woher auf allen Plätzen, allen Bühnen
Gackern immerfort und schrilles Krächzen?
Wer ließ die Pforte offen stehen,
daß sie büxten aus, die Hühner?
Will keiner sie zurück mehr scheuchen,
auf daß sie wieder Eier legen,
das ein und andre gar bebrüten?
„Ach nein, das wird die Gans verhüten,
Helene mit dem nackten Bürzel,
die uns geöffnet hat die Türe,
damit wir aus dem Zwielicht watscheln,
gerupft an Kopf und schlankem Halse,
geeinte Schwestern unterm Sternbild
emanzipierten Hühnertums!“,
gluckst geschwollen ein bebrilltes Huhn.
Da kräht auf seinem Thron aus Mist
gespreizten Sinns und heißen Sporns
der rote Gockel, und jede pest dahin,
daß er als erste sie besteige.
Die kleine Zarte, die da gräßlich fiept,
herrscht an die dicke Henne: „Herzchen, schweige!“
Der Abgrund Schweigen
Im Gedenken an E. M. Cioran
Du sagst dein Ja, grummelst nein in deinen Bart.
Ob sie milde lächeln,
hinter deinem Rücken hecheln,
Einsamkeit, sie bleibt dir aufgespart.
Da sitzt sie wieder auf dem Dach, die Taube.
Daß an dir sie sich gefreut,
weil Körner du ihr hingestreut,
o töricht liebenswerter Glaube.
Die Kerze flackert, bist mit dir allein.
Mag sie aus nur gehen,
es gibt nichts mehr zu sehen.
Und was du sahst, war eitel Schein.
Alles wie von Asche grau beschichtet,
jeder Mund, der sich zum Kuß geründet,
was du lasest, was dir ward verkündet,
keiner Mythe fühlst du dich verpflichtet.
Tönt es wie Schluchzen noch von fernen Quellen,
du wühlst den Kopf ins dumpfe Kissen,
als würdest nichts du, keiner dich vermissen.
O trunknes Boot, wenn Traumes Segel schwellen.
Und will sich lockend dir ein Ufer zeigen,
wo Ariel und lüstern Elfen winken,
stürz dich hinab, im Abgrund zu versinken,
wo alles Sagen, alles endet – Schweigen.
Blüten, wie sie bleichen
Lichtverzücktes Auge,
in Dämmerung sank es zurück,
Dunst, dem eignen Blick entquollen.
Kaum geweckt vom Hauch der Muse,
aufgetane Knospe Wort,
war verweht sein Duft, sein Sinn verschollen.
Grünes Glas im Schnee von Samt,
festlich überschäumend,
Rausch hat es zerbrochen.
Zärtlich flüsterte die Nacht.
Wort, den Bann zu lösen,
ward dir nicht gesprochen.
Heißen Atems aufgeblättert,
Buch des Lebens, und es glommen
rätselhafte Zeichen.
Was der Schwermut Tau genährt,
Träume, wie sie fahlen,
Blüten, wie sie bleichen.
Verschwebende Klänge
Venus kann nur aus dem Dunkel leuchten.
Liebe muß die lichte Schwelle scheuen,
daß sich Orpheus Augen wieder feuchten.
Zarte Halme, die im Winde schwanken,
daß wir um sie bangen, uns daran erfreuen,
blühen, welken dichterisch Gedanken.
Tote Häute, trocken, ausgewrungen,
die am Dorn des Schlafes kleben,
hat sich bunter Flügel aufgeschwungen.
Wimpern, die noch bange Träume halten,
wie sie zittern, wie sie beben,
bis der Lider Blätter sich entfalten.
Flehentlich scheint uns des Nachts zu rufen
Wasser wie aus grünen Nymphengrotten,
weicher schluchzend an bemoosten Stufen,
wo einst Purpursäulen Hochsinn baute,
seine dunkle Herkunft zu vergotten.
Herz der Völker, wie es uns ergraute.
Schwermut, herber Duft
Schwermut weht, ein herber Duft,
wie aus alten Eichenschränken
von Lavendelblüten, ganz verblaßten.
Wir wissen nicht, an wen wir denken.
Erklingt der Abendglocken Bronze,
scheint in uns dunkel mitzuschwingen
Erinnerung an frühe Orte,
wo Hand in Hand wir mit der Liebsten gingen.
Und stehen einsam wir am offnen Fenster,
sinkt golden-fahler Dunst hernieder,
ein Gurren tönt noch dumpf von Tauben
aus weich geblähtem Traumgefieder.
Hat Schnee gedämpft das laute Leben,
sind Spuren lesbar, Tupfen wie auf Wangen,
Schönheitsflecken auf der Anmut Lilien.
Wir ahnen wohl, wer dort gegangen.
Pascal ohne Gott
Wer nicht im Schweigen endet,
hat nicht alles gesehen.
E. M. Cioran
Gespött der Schöpfersonne,
der Nächte kühler Ruhm,
schwebt fahler Mond sein Geist
hin über menschenferne
Meere.
Der Masken müd durchstreift
er die Elysischen Felder,
hört wie im Traume niedersausen,
das wollusttrunken blitzt,
das Beil.
In den Ruinen von Port-Royal
sticht ihn am Aug ein Dorn,
und er gedenkt der Schwester,
die zu sehen wähnte nah
das Heil.
Hinter den glitzernden Nägeln
auf abertausend Kreuzen der Nacht
erblickt er zwischen A und O
die vom Schrei geschwärzte
Leere.
Auf dem Zettel, den er eingenäht
im Mantelfutter trägt, streicht er
alles durch und läßt nur stehen
non des philosophes et des savants
Feu.
Als er sieht, wie heißer Strahl
das Mark des Daseins höhlt,
kein Sinn den Abgrund jemals füllt,
streicht er auch dies, schreibt hin nur
Creux.
Splitter in der Wunde Einsamkeit
Aus einer Ars poetica parva
Im weichen Dunst Erinnerung
ein dunkler Fleck am Horizont,
wie eine tote Robbe aus der Schar
des Proteus, die dort liegenblieb,
als gischtend der Hexameter
die grüne Woge um ihn schlang.
Im Schneegefild die schiefe Spur
des angeschossenen Wilds.
So geistert durch den Traum,
gleich einem Hinke-Iambus,
der Schwellfuß eines Schatten-Ich,
das im Blätterrauschen
goldener Ode eine Sänfte wähnt.
Nur immer ferner tönt das Laub,
wird fahler nur und grauer,
je atemloser es ihm tastet nach.
Mönch am Meer, Splitter
in der Wunde Einsamkeit.
Abgeschnittenes Lid,
sobald er in den Spiegel blickt,
den sinnloses Gelalle trübt.
Kein Engel wird ihn gnädig ziehen
über wüster Urflut Schaum
ins sanfte Licht des Chorgesangs.
Vom schwarzen Dunst zermürbt
versinkt er in der Dünung Schnee.
Ei, gesprenkelt gelb und rot,
im Nest zurückgelassen,
dem ungesagten Amen gleich,
kein Psalm, der’s ausgebrütet.
Die Vögel flogen jählings auf,
von Wohlgeruch gelockt,
als wehte Traum von Eden.
So fault verwaist das Wort,
wenn auch der Seele Nest
verdorrt mit kahlen Ästen
im Silbermond elegisch
ächzend lang noch schwingt.
Anmerkung zur Zeile „Abgenschnittenes Lid“:
„Das Bild liegt mit seinen zwei oder drei
geheimnisvollen Gegenständen wie die
Apokalypse da, als ob es Youngs
Nachtgedanken hätte, und da es in
seiner Einförmigkeit und Uferlosigkeit,
nichts als den Rahmen im Vordergrund
hat, so ist es, wenn man es betrachtet,
als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären.“
Heinrich von Kleist
Blaise Pascal, Mémorial
Depuis environ dix heures et demie du soir jusques
à environ minuit et demi
Feu.
Dieu d’Abraham, Dieu d’Isaac, Dieu de Jacob,
non des philosophes et des savants.
Certitude, certitude, sentiment, joie, paix.
Seit ungefähr abends zehneinhalb bis ungefähr
eine halbe Stunde nach Mitternacht
Feuer.
Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs,
nicht der Philosophen und Gelehrten.
Gewißheit, Gewißheit, Empfindung, Freude, Frieden.
Blaise Pascal, Mémorial
Eitel Stroh, jäh angezündet
wie durch Glas von losem Strahl,
ist es nicht gewesen.
Docht, der sich ins Dunkel windet,
Herz in seiner stummen Qual,
hat die Flamme sich erlesen.
Und es fühlte heiße Freude,
wie es honiggleich gebrannt
und sich selber süß verzehrte.
Wohlgeruch, der sich gebreitet,
schien dem Blütenduft verwandt,
der aus Eden wiederkehrte.
Mußte bald es niederbrennen,
war verwandelt doch die Nacht,
ohne Grauen war ihr Schweigen.
Auch die göttlich nicht mehr nennen,
was den Abgrund Herz entfacht,
mögen sich vorm Denkbild neigen.
L’art pour l’art
Künstlich wolltest du die Blume,
daß herbstlich sich dein Vers nicht neige,
kein Fäulnisduft den Sinn benehme.
Verse, Augen, Lapislazuli,
den keiner Rührung Nebel trübt
und keine Pathosdünste feuchten.
Aus Tiefen taumelnd Verskristalle,
die kalt ein Licht von Monden spiegeln,
doch Sonnen meiden, die sie schmelzen.
Daß sich aus fahlem Kalk der Angst
die Muschel forme, o Geduld,
und schimmernd auch die Perle Schmerz.
Keine Haut war kühl genug für ihren Glanz,
hermetisch hast du sie verborgen
im Sand, von Reimes Gischt umschäumt.
Flocken, in der Nacht gefallen
Gleich Flocken, in der Nacht gefallen,
die Sonne läßt sie seufzend tauen,
zerrinnt in rätselhaftes Lallen
der Verskristall im Abendgrauen.
Wie Wolken, weiche Traumgestalten,
Sturm wischt sie vor der blauen Leere,
sind Verse Knospen, die sich ballten.
Schon funkelt dunklen Gärtners Schere.
Bald schenkt sich Feuchte grünem Rohre,
bald ist sein Mark vor Glut zersprungen.
Herabgesandt aus goldnem Tore,
erloschen sind die Feuerzungen.
Antikisierende Phantasmagorien
Ich bewirtete dich gerne, Telemach,
verschmähtest du auf deiner Reise meine schwermutgraue Schwelle nicht.
Dein Fahrtenlied für meinen Becher ländlich schlichten Weins.
Die Wunde salbte, Philoktet, ich dir,
den Silberklang des Bogens zu vernehmen,
den einmal wider meine Ohnmacht du noch spannst.
Den treuen Hund, Odysseus, der müde wedelnd dich erkannt,
und da du zärtlich ihn gekrault, entschlief,
begrübe ich bei deinen Beeten, Eurykleia.
Dem Chorgesang zu lauschen vor der Göttin Bild,
schlüge kühn ich, Sappho, in die Büsche mich
deines mondbehauchten Hains.
Betört vom Lied der Nachtigallen schöpfte aus der Quelle
einen kühlen Trunk ich euch, da bei Kolonos ihr noch rastet,
dir, Ödipus, und, Antigone, auch dir.
Doch vor deinem Adler, Zeus, risse Ganymed ich weg,
daß er den Hirten irdene Krüge reiche,
vom Blendwerk hohen Prunks geheilt.
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