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Das Gericht

23.12.2018

… eripitur persona, manet res.
… es fällt die Maske, was echt ist, bleibt.
Lukrez, III, 58

Wenn Worte leer wie Blätter treiben
im Geisterwind, im Schnee der Nacht,
was zählt der Baum in seinem Schweigen,
was hat des Lebens Saft vollbracht?

Im Dunst von trägen Sommertagen
verschwimmt im deutungslosen Blau
gezackter Zeichen rankend Ragen,
gestuften Sinnes Gliederbau.

Wenn Hände bang wie Vögel flattern
im Käfig der verlornen Zeit,
wird Schatten nur von Schatten schnattern,
kein Heros hält den Flammenscheit.

Wenn Worte hohl wie Masken gleißen
vor schiefen Mäulern ohne Scham,
wird sie der Sturm herunterreißen,
der aus dem Ungedachten kam.

Und frischen Glanzes trinken Blätter
der neuen Schöpfung goldnes Licht,
es zischt am Purpursaum der Wetter
noch lang von Flammen im Gericht.

 

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