Blindenschrift
Die Knospen rufen, bis die Nacht sie schließt.
Aufs Blatt schreibt Licht und Dunkel Hieroglyphen.
Die Seelen, die in zarten Schalen schliefen,
du schlägst sie, weckst sie, Dichter, auf und liest.
Doch liest du nicht mit Augen, sondern blind,
wie Blindenfinger eingekerbte Zeichen
hellsichtig, dunkel fühlend überstreichen,
ob Boten sie des Unsichtbaren sind.
So zieht den Träumer hohen Mondes Gang
ins Fluten aufgeschäumter Meereswellen.
So wird das Schweigen Gottes zum Gesang
in Davids Psalmen, der Oase Quellen.
O mürbes Blatt, zernagt von Parasiten,
das dich verstummen macht, den Eremiten.
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