Skip to content

Das Festmahl des Übermenschen

04.08.2026

Schillernder Aussatz des Lichts,
linkischer Buhle der Nacht.

Er wähnte, sacht wie der Pardel
auf moosigem Grund dahinzuschweben
oder nackt zwischen kitzelnden Halmen
bacchantisch zu tanzen.

Doch ihm blieb nur, starr wie der Felsen,
auf dem einzig Moose und Flechten sich wandeln,
in das neblige Tal
versteinerter Gegenwart zu blicken,
und zum Unterschlupf die Höhle
des Eremiten, den er erschlagen,
einzig das Zwielicht des Irrealen
und der Schlund des Nichts,
den umsonst er stopft
mit den Innereien der Unschuld
und den dürftigen Gaben
einer verkarsteten und zur Steppe
gewordenen Erde.

Beim dumpfen Gelage
mit den längst zu Schatten entwesten
alten Kämpen der großen Endschlacht
wider den Sinn des Daseins,
dem Teufelsgeiger, dem fetten Falstaff des Geifers
und dem Alchemisten der tödlichen Schmelze,
füttert er zuerst die schuppige Echse,
die zwischen seinen zitternden Knien schwänzelt,
mit blassenden Herzen von Nymphen,
die ihm die Angel mit dem Köder
gleisnerischer Verheißung
ihrer Erlösung vom Bann
gefischt hat,
daß von Liebe sie lispelt,
die giftige, widrige Lippe.

Oger, sein Meisterkoch,
garniert die Festtagsplatte
mit zierlichen Füßen
abgetriebener Föten.

In der trüben Suppe
schwimmen die glasigen Augen jener,
die seinetwegen geweint,
Saphir und Aquamarin
unter exotischen Wimpern,
verschleierter Sklavinnen,
die nicht er,
der Impotente,
sondern Oger entjungfert.

Die zarte Lende,
honiggolden mit Sirup überstrichen,
mundet ihm bestialisch,
hat er gestreichelt sie,
sanft mit Küssen bedacht
doch gestern noch,
als er die Keuschheit der Kindfrau verhöhnte.

Beeren, Pilze, Trüffel,
sie atmen den Humus der Beete,
die er sorgsam gedüngt
mit dem Aas von Schakalen
und den Zungen von Nachtigallen.

Edel glimmt der Bernstein des Weins.
Den Pokal haben einst die Frevler
geraubt aus dem Tempel des alten Gottes,
dessen Tod er prahlerisch verkündet,
indes würgt ihm seine Asche
die Kehle noch lange.

Einen neuen Gott aber fand er sich nicht,
dem die düster schwelende Glut
animalischer Leidenschaft zu opfern
den Sinn veredelte,
nur eine Fratze zusammengeleimter Mythen.

Endlich lehnt er sich rülpsend zurück,
und seine altersfleckige Haut
schwitzt glitzernde Perlen
sentimentalen Gefühls aus,
ein Aroma verströmend
aus Veilchen und Urin.

Ein Schnalzen, ein Händeklatschen,
schon ist sein Dichter zur Stelle,
in seiner dunkelsten Ängste Abgrund
lilafarbene Blüten und purpurnes Blattwerk
lieblicher Oden zu streuen.

O Grauen
in den Labyrinthen des Traums,
worin er vergebens dem nahen
und fernen und wieder nahen
Brüllen des Minotaurus
zu entfliehen sucht.

 

Comments are closed.

Top