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Claude Lorrain

08.06.2026

Allem sprichst du freundlich zu: Umwinde,
was an Schatten dich umseufzt, umrankt,
mit meiner Blicke blütenhellem Zittern.

Wo auf lichten Wellen Sehnsucht schwankt,
bläht sich weißes Segel weich im Winde,
grünt Efeu schon an filigranen Gittern.

Die Tiere gehen leicht, wie Wolken gehen,
derselbe klare Dunst, der beide trägt,
läßt, was entschwindet, liebend auferstehen.

Die Ziegen, Schafe, Rinder wandeln frei,
kein Pferch beengt, kein Brandmal wird geprägt,
sie fesselt einzig Wohllaut der Schalmei.

Er aber ragt in bläulichem Gewande,
ein Gärtner wie für Edens Überfluß,
und vor ihm kniet die schönste der Marien –

jetzt salbt sie ihn mit ihres Blickes Kuß.
Die Scherstern stehen staunend noch am Rande,
leer ist das Grab, entrückt, die sterbend schrien.

Ascanius hat den Bogen straff gespannt,
doch lässest du das Purpurrot nicht rinnen,
der heilige Hirsch schaut ruhig nur, gebannt.

Du überwölbst den Abgrund mit dem Schein
von sanften Flammen. Heiteres Besinnen
schenkst du wie milde Sonnen dunkler Wein.

Die uns den Geist, das müde Herz zerstücken,
die rohen Bilder, trüber Sud des Wahns,
kann uns das Auge noch dein Dämmer feuchten,

die Ufer, zart gesäumt vom Schnee des Schwans?
Wird deine Pastorale je entzücken,
die stieren, wenn Kadaver faulig leuchten?

 

Siehe auch:
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/landschaft-mit-christus-der-maria-magdalena-erscheint

https://en.wikipedia.org/wiki/Landscape_with_Ascanius_Shooting_the_Stag_of_Sylvia#/media/File:Ascanius_Shooting_the_Stag_of_Sylvia_1682_Claude_Lorrain.jpg

https://www.meisterdrucke.com/kunstdrucke/Claude-Lorrain/267259/Pastorale-Landschaft,-1645.html

 

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