Epiphanie der Nacht
Sie kommt die Brücke, die ins Dunkel führt,
und über einen Abgrund nur aus Dunkel.
Auf deines Schlafes Schwelle harrt sie lang,
Opal das Aug, ihr Blick ist Wahngefunkel.
Was auf der Nymphe Kopf so lieblich wippt,
Gefieder ist es, blau, weiß, purpurfarben.
Der Wundervogel, dem sie es entriß,
singt fern im Paradies, wo Schatten darben.
Sie lechzen nach dem magischen Gesang,
wie nach dem Becher Schwermutkranke.
Nun übertritt ihr Fuß die Schwelle sacht,
daß nicht der bunte Schmuck des Haares schwanke.
Ihr Lächeln schimmert gleich der Maske starr
im Spiel des Noh. Wie aus der Pythia Munde
tönt es. So tönen Muscheln sehnsuchtsdumpf,
die Flut geschwemmt in wild durchbrauste Sunde.
Als hätte sie sich über dich gebeugt,
ist dir schon bang, daß Geisterlippen küssen.
Es ging ein Hauch nur, der dich aufgeweckt.
Ein blasser Flaum liegt auf zerwühltem Kissen.
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