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Epiphanie der Nacht

19.06.2026

Sie kommt die Brücke, die ins Dunkel führt,
und über einen Abgrund nur aus Dunkel.

Auf deines Schlafes Schwelle harrt sie lang,
Opal das Aug, ihr Blick ist Wahngefunkel.

Was auf der Nymphe Kopf so lieblich wippt,
Gefieder ist es, blau, weiß, purpurfarben.

Der Wundervogel, dem sie es entriß,
singt fern im Paradies, wo Schatten darben.

Sie lechzen nach dem magischen Gesang,
wie nach dem Becher Schwermutkranke.

Nun übertritt ihr Fuß die Schwelle sacht,
daß nicht der bunte Schmuck des Haares schwanke.

Die Nō-Spiel-Maske, sie verdeckt
das Angesicht: Wie aus der Pythia Munde

tönt es. So tönen Muscheln sehnsuchtsdumpf,
die Flut geschwemmt in wild durchbrauste Sunde.

Als hätte sie sich über dich gebeugt,
ist dir schon bang, daß Flammenzungen küssen.

Es ging ein Hauch nur, der dich aufgeweckt.
Ein blasser Flaum liegt auf zerwühltem Kissen.

 

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