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Sie aber kehrten nicht ein

16.06.2026

Denn so kehren die Himmlischen ein, tiefschütternd gelangt so
Aus den Schatten herab unter die Menschen ihr Tag.

*

Wozu Dichter in dürftiger Zeit?

*

Weh mir, wenn …

*

Die Mauern stehn sprachlos und kalt.
Im Winde klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin

 

Sie aber kehrten nicht ein.

Kein Blitz durchbrach die Wolkenmauer Düsternis.
Kein Flügelschlag des himmlischen Boten
zerteilte, daß sie töne, die Dämmerung.

Im Kelche des Lichts
schwamm im Tau
die tote Mücke.

Künstlich wird nun die Erde
beatmet.
Doch ihr Keuchen klingt
im Ohr der Freunde,
die am Sterbebett
mit traurig-schönen Veilchen knien,
beinahe schon obszön.

Das Mark des Dichterworts
ward ausgekratzt
vom schartigen Messer
tonloser Phrasen.

Selene taumelt,
ein stumpfer Klotz,
verätzt vom Geifer
blecherner Titanen,
durch die Gottesleere,
ein Schmutzfleck
auf dem fadenscheinigen
Trauerkleid der Nacht.

Die Tische wurden abgeräumt,
ins Meer geflossen ist
das Schneegesims der Höhen,
und was noch schüchtern blaut,
ist ins Erinnerungsalbum
eingepreßter Enzian.

Der Glanz des Marmors,
das lichte Vlies der Götterbilder,
um trunkene Lenden strömend,
trübte Lymphe
ausgeträumter Augen.

Die Frucht, die wie der Sonne Gold
im weichen Duft des Morgens glomm,
ward fahler als der Mond,
wenn er ins Schwermutsdickicht sinkt.
Sie blaßte, als Vernunft,
ein schwarzer Wurm,
ihr alle Süße ausgesogen.

Schimmlig wurde das Brot,
unverdaulich die Liebe.

Verwässert hat den Wein
für ausgelallte Zungen
fader zwitterhafter Zeitgeschmack.

Wir harren, verschont
vom Strahle des Vaters,
bis in die Fingerspitzen taub,
den feuchten Samt der Abende zu fühlen,
in Waben dürstender Luft,
flügellose Drohnen,
im Zwielicht dämmernd,
des Sturms.

Das Wehen in den Angstgespinsten
kündigt ihn schon an.

 

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