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Schicksal und Gnade

05.02.2021

Der Wind riß dir das welke Blatt
des müden Lächelns vom Gesicht,
es trudelte so wunderlich,
ich hob es auf, wie Kinder tun,
und strich die Schründe zärtlich glatt.

Uns wird der Schein vom Sein gerissen
von eines Gottes heißem Sturm,
und unser Herz wird wund gebissen
von seines Dünkels grauem Wurm.

Und was du sagtest, schmolz und goß
ein Rieseln über trübes Glas,
es blieben Schlieren eines Traums,
auch wenn ich seinen Sinn vergaß,
es war die Quelle, die mir floß.

Was wir dem Schicksal abgerungen
und bergen es wie Knospen Tau,
ist wie der Schmerz, der sanft umschlungen
von Lilien seufzt im Abendblau.

Und was du sangest, quoll und zog
wie Sommerwolken heiter-ernst
durch Himmels trunkne Einsamkeit,
und wenn du dich auch still entfernst,
noch bebt der Halm, der sich dir bog.

Was uns von Gnaden zugeflossen,
versickert bald in dürrem Grund,
doch ward es nicht umsonst vergossen,
singt nächtens uns der Erde Mund.

 

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