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Schrei und Silberschaum von Tönen

03.09.2026

Einer schreit, als stecke ihm im Kopf ein Messer,
schreiend geht er durch die Menschenmenge.
Niemand dreht sich nach ihm um.

*

Die Schwermut lehnt sich aus dem Fenster,
als wehe Duft der Sommernacht,
und atmet Aschenrauch, Erinnerung.

*

Du schreist entsetzt: „Was stinkt hier so barbarisch?“
Es ist der Rachen eines Ungeheuers,
worin dein heller Kopf ins Dunkel sinkt.

*

Auf der Bank sitzt, neben sich die Krücke,
Sappho, Aphrodites runzliges Gespenst,
und lallt obszöne Worte vor sich hin.

*

Rankengrüne Dämmerung,
als gingen, die sich lieben,
schweigend Hand in Hand
durch eine Birkenlichtung.

*

Auf eines Putto runden Wangen,
vom lauen Sommerabendwind
in Sanssouci sanft weggewischt,
gleisnerische Tränen.

*

Im Ohr der Müdigkeit,
einer dunklen Grotte gleich,
wo jäh die Nymphe taucht,
Silberschaum von Tönen,
die am Perlmutt der Lenden
sanft verklingen.

*

Als Proselyten blutiger Mysterien
kehrten kahlgeschoren sie aus Wien,
Mann wie Weib, zu künden uns am Rhein,
daß Sexus ohne Liebe einzig wahr,
Liebe ohne Fick neurotisch sei.
Noch immer hört im Kahn der Schiffer,
sinkend in die Flut, das Lied der Loreley.

*

Krächzt die Krähe,
schweigt die Nachtigall.

*

Gilt der Blinde auch als große Leuchte,
gibt hier vor den hohen Takt der Taube,
preist der Lahme Pindars Sonnenflug,
zupft Euterpes Laute gichtiger Finger:
Die vom Zotenschnaps gegerbte Zunge
spuckt den Wein der Hymne aus.

*

Das Gift der Phrase
tropft in die Honigwabe
Hölderlins.

*

Im Frost der Nacht vereist
Gesanges Purpurwolke
zu einem dünnen Zapfen
grauen Klirrens.

 

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