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Der verdorrte Feigenbaum

25.08.2026

Als er aber am Morgen wieder in die Stadt ging, hungerte ihn.
Und er sah einen Feigenbaum an dem Wege, ging hinzu und
fand nichts daran als Blätter und sprach zu ihm: Nie mehr wachse
Frucht auf dir in Ewigkeit! Und der Feigenbaum verdorrte sogleich.
Matthäus 21, 18–19

 

Üppiger Blätter Glanz
überwuchert das Dunkel,
verheimlicht die Leere.

Falsche Fülle verdeckt
die geistige Öde,
trunkenes Rascheln
gesanglose Dürre.

Nicht Glanz nährt,
sondern Frucht.

Tautropfen,
hohlen Wortes Geglitzer
zerrinnt im Abendhauch.

Süß ist die Frucht,
die im Laube der Dämmerung nachglüht
und in die Nacht der Schwermut noch lächelt.

Feuchtes Lallen
gleisnerischer Lippen
verstummt
unter des Meerwinds salzigen Küssen.

Vor dem Meister,
heilig-nüchternen Blicks,
ist der Unzucht fauliges Prangen,
der triefende Wortwuchs
im Moraste des Wahns
längst schon verdorrt.

 

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