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Wenn niedergeht der Tau

22.03.2026

Wenn niedergeht der Tau auf Dämmermatten,
erglänzt das Schilf am sanften Bach im Ried.
So funkelt durch das Dunkel Orpheus Lied,
erlischt wie Venus unter Wolkenschatten.

Ob Hirten Herden, Priester Goldidole hüten,
sie schüren Flammen mit Gesanges Hauch.
Steigt auch aus Aschen abends blauer Rauch,
noch stieben Funken, Geist der frühen Mythen.

Laß, Dichter, dir vom Wahn der Gegenwart
die Falten der Erinnerung nicht glätten.
Den tiefen Sinn des Worts, du kannst ihn retten,
halt unterm Schnee des Traums ihn keusch verwahrt.

Laß Tau der Nacht im Laub der Verse zittern,
den Tau nach Tränen schmecken, süßen, bittern.

 

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