Glossen am Rand der Leere
Mein Leben gähnt mich an wie ein großer weißer Bogen Papier.
Georg Büchner, Leonce und Lena
Wie eine Träne fließt die Zeit, hat kein Gewicht.
Du fühlst sie, die so heiß, auf deiner Wange nicht.
*
Willst du sie halten, Anmut, leises Lächeln,
verzieht sie das Gesicht und fängt zu weinen an.
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Taubenpaar. Sie picken Seit an Seite vor sich hin.
Flattern, böses Stechen, nähert sich die Fremdlingin.
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Schönheitsflecken, keine Warze auf den Traumgesichten –
Roms größter Dichter aber will das Werk vernichten.
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Abendsonne. Daß wir Hand in Hand noch schritten,
dunkel fühlend, Herz an Herz hat ausgelitten.
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Ersterbend, Rose, hauchst du blind
den Sehnsuchtsduft dem kalten Wind.
*
Nur einmal ist sie aufgeglommen,
die Flamme für den Daseinsfrommen.
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Die Tropfen, die Gott regnen ließ,
sie machten unser Darben süß.
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Die goldne Frucht, die uns zu pflücken war verwehrt,
hat unsre Sehnsucht nach dem Garten nur vermehrt.
*
Das Krüglein Vers, es faßt nur wenig Wein,
mag golden er, von reifen Trauben sein.
*
Die Sehnsucht war mit Worten nicht zu stillen,
du mußt zuletzt das leere Blatt zerknüllen.
*
Schnee auf Schnee gefallen,
helle Rätsel aus Kristallen.
*
Wie Nester, sanft im Schilf gewiegt,
ist unser Träumen leer, das Lied versiegt.
*
Der Liebe Bogen kann nur Saiten, wohl gespannt,
zu Tönen locken, deren Stimmungen verwandt.
*
Was der Verstand uns nicht verdüstert, Azurblau,
von zarter Wimper rinnend, heller Tau.
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