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Mythos und Schrift

24.07.2026

Bang hat sich in den Quell, fliehend vorm blonden Gott,
Kastalia gestürzt. Pindar beschwört ihr Gold,
als Apollon die Locken
wusch im schillernden Schaum des Lichts.

Delphis Grotte ist nah, Pythia trunknen Munds,
Rätsel raunend in Trance, Schicksal dem Ödipus:
Retter Thebens, der hinkte,
blinder Bettler im Hain Athens.

Giftig schwirrte sein Pfeil. Heilung dem siechen Geist
sandte manchmal sein Lied, wenn ein Horaz es sang.
Doch um Marsyas Flöte
fahlt des Satyrs geschundne Haut.

Seine Schwester ist keusch, aber genauso wild.
Opfer ward der Voyeur, der sie beim Bad erspäht.
Lächelnd sah sie Aktaion
bluten, eigener Meute Riß.

Schlaf im blendenden Strahl spendet die Rebe kaum,
wie es Nietzsche gewähnt, der an Migräne litt.
Bruder Christi war Bacchus
nicht. Hob ER doch den Wein ins Licht.

Daseins Zwiespalt und Angst sinnt uns der Mythos an.
Gibt uns göttliche Schrift Zeichen der Gnade noch,
daß von Hoffnung uns singen
Quellen rein wie das Schöpferwort?

 

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