Verwandlungen
Ich war die Taube, die im Fenster sah
deinen Schatten hin- und widergehen.
Sie gurrte lang noch, als das Dunkel kam,
übers Gras des Schlafes hin zu wehen.
Ich war die Kerze, flackernd vor dem Bild,
die am Abend du hast angezündet.
Ich war der Duft von Honig, der noch quillt,
wenn ein banger Traum in Seufzen mündet.
Ich war der Schnee und knirschte silberhell
unter deinen nächtlich-trunknen Schritten.
Ich war ein Strahl aus einem süßen Quell,
der in deiner Schwermut Tal geglitten.
Nun bin ich eine bleiche Träne bloß,
die an deiner tauben Wimper zittert.
O stürzte ich hinab in deinen Schoß,
ihn zu küssen, daß er nicht verbittert.
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