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Die Rose des Gedichtes duftet nicht

05.09.2012

Die Rose des Gedichtes duftet nicht –
und dennoch mag sie uns betören,
wenn kühn erwählt von zarter Hand
ihr warmgeküsster, ihr mit hergezählten
Tränen reich beperlter Schein –
wenn aus alten Verses gläsern-weichgebognem
Kelch ihr junges Haupt aufragt.

Die Rose des Gedichtes leuchtet nicht –
und dennoch mag sie uns bedeuten
nicht ganz erloschner Liebe
fernes Wehmutwinken –
die wehe Purpurröte
Blatt an Blatt entflammter Seele,
die durch ihres sanften Niederbrennens
Opferglut vertröstet und verzögert
die große Nacht, die rosenlose tote.

Die Rose des Gedichtes welkt nicht hin –
und dennoch mag sie uns betrüben
mit ihrem süß verschwiegnen Sein,
ihrer herzlos verprassten, kühlen Pracht.
Uns belebt der Wunsch, sie zu entblättern
und wie Tropfen Opferbluts
auf die Schwelle hinzuschütten
das fahle Licht des Ideals,
dem letzten Gast zu hohem Gruße.

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