Falsche Sappho
Die Brücke Wort trägt nicht, ist Pappmaché.
Den Sinn ersticken frech Gesinnungsknebel.
Der Liebe Antlitz hüllt ein Gendernebel,
das Gras der Reime unfruchtbarer Schnee.
Papierne Knospen, starren Lids verschlossen.
Woher der Duft? Sie hat sich drauf ergossen.
Ein Kitsch, der blutet, leckt devot die Hand,
Krepp, leise knisternd, möchte uns verstören.
Wo Sapphos Wort erglomm, umrankt von Chören,
verdüstert sie den Vers mit Rilke-Schmand.
Des Beifalls sicher, schüttelt sie die Mähne.
Die Muse seufzt: Verzeihung, wenn ich gähne.
Was sie in Wohllauts Lücken schmiert, der Graus
rührt von den Föten, die sie abgetrieben.
Uns narren Geister, die dem Geist geblieben,
bespie die Manen er im Vaterhaus.
Wie, in die Küche sollten wir sie sperren,
stumm Teig zu kneten für das Wort des Herren?
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