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Der entrückte Vates

15.06.2026

Dem Andenken an Friedrich Hölderlin

Der Kelch, dem Evoe die Flamme sang
und den du in die Dämmerung gehoben,
war wie die Seele, die empor sich schwang,
zu fühlen Äthers blauen Hauch von droben.
Ward von dem hohen Traumbild ihr auch bang,
sie ist erwacht, Dionysos zu loben.
Ja, Wohllaut ist der stummen Qual geweht,
die Angst ward offner Knospe Dankgebet.

Du aber, Dichter, der die Glut genährt
mit Tropfen Bluts und goldnen Sanges Samen,
bist jäh entschwunden. Schwermut hat gegärt,
in Waben dich zu bergen fremder Namen.
Doch hat die Einsamkeit dir noch verklärt
ein Zittern in entrückter Himmel Hamen.
Ja, deine Flamme schmilzt wie Purpurwein,
was uns zur Erde beugt, das Herz, den Stein.

 

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