Das Lied
Über Nacht aufgesprossen,
zittern ihre fleischigen Lippen zu Tage,
Magnolienblüte,
du purpurnes Lied für eine taube Welt.
Sie blickt mit feuchtem Auge
in das ewig tränenlose der Sonne.
Sie gibt sich den Launen des Winds
und fleht um die Gnade, herabzuwehen
ins Grab einer Pfütze.
Sie blüht für ihr reines Sterben
und stirbt für ein unbegreifliches Morgen.
Sie dehnt den bejahenden Kuß,
bis ihre Schönheit verblaßt.
Einer kam und las sie auf,
preßte seine Lippen an ihre verstummten,
hob sie auf den perlenden Wein einer Schale
vor dem kindlichen Bild seiner Andacht.
Als die Nacht den Mund
mit süßem Odem bestrich
und das Seufzen eines Opferlichts
das Bild überhauchte,
sang es aus ihm, das Lied.