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Die Wunderkiste

12.06.2026

KUNST steht auf der Kiste, Versalien prangen.
Greif hinein, fühl, wie der Zeitgeist tickt.
Büsten Goethes, wüst durchbohrt von Stangen,
die Menora, siebenmal geknickt.

Regenbogenfarben Vibratoren,
kaum berührt, erwacht ein dumpfer Klang
wie von Schlegeln aufgeputschter Mohren,
trommeln sie den Weißen Untergang.

Eingelegt in Formaldehyd, erstarren
Tiere mumienhaft in Glasvitrinen,
Töten für die Kunst scheint woken Narren
fast so schön wie baden in Latrinen.

Eine Miniatur der Sphinx, die golden
ihren Arsch für Kitschvoyeure reckt.
Der sich Musen hingab, Wollust holden,
Fuchs hat sie im Wiener Wald entdeckt.

Doch zuunterst liegt ein Ding, ein schweres,
einst bestimmt zum Ablauf von Urin,
dann als Meisterwerk gekürt, ein hehres
Vorbild für den postmodernen Spleen.

Hör, weshalb sie hier im Dunkeln dämmern,
Mißgestalten, die kein Licht mehr preist:
Sie erwarten Schlag auf Schlag von Hämmern,
kühl vollführt von einem freien Geist.

 

Zur Veranschaulichung:
https://www.alamy.de/fotos-bilder/damien-hirst-schaf-formaldehyd.html?sortBy=relevant

https://www.arsmundi.de/ernst-fuchs-skulptur-die-sphinx-mit-dem-goldhelm-die-miniatur-bronze-teilvergoldet-916503/

https://de.wikipedia.org/wiki/Fountain_(Duchamp)#/media/Datei:Duchamp_Fountaine.jpg

 

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