Die Wunde VI
Damals, in der alten Ziegelei,
wie der Wind ging durch die krummen Regale
und Staub unterm trockenen Stroh aufblies,
überall zerfallene, durchlöcherte Abdrucke,
zerlaufene Töpfe, geknickte Rohre,
da war es eine Amsel,
die irgendwo hoch im Gebälk saß,
wir konnten sie nicht sehen,
aber ihr Gesang war wie die Narbe,
die alte Narbe, die pocht und juckt.
Und auf den schneebedeckten Wegen,
an Großvaters Hand, er mit dem Filzhut
und dem wappenverzierten Stock,
über seine Gemarkung hin,
in seine Richtung, wo der Kirchturm
über die Linie der schlafenden Saaten schaute
wie der schiefe Mast eines gestrandeten Schiffs,
da war es die Stille
oder die zwischen einzelnen steinschweren
Worten zerriebene Stille
oder die wie der Sand von steinschweren Worten
plattgewalzte Stille,
da waren es alte übermalte Bilder
der Erinnerung, verrußt und rissig,
da war es die hinter dem Fenster
wie Kohlehalden aufgeschichtete,
untergegangene Zeit,
blinde Fenster,
verschmiert von Taubenkot und Schorf.
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