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Wir

10.03.2017

I

Wir sind wie Wolken vor dem Wind,
der mit uns spielt und eine Weile gönnt,
und wenn wir in die Bläue träumen,
uns zerreißt mit einem letzten Kuß.

*

II

Wir atmen fremder Lüfte fremden Geist,
der in uns sucht nach einer blauen Mulde,
zu ruhen dort dem wilden Wasser gleich,
das mündet unterm Sternenglanz der Stille.

*

III

Wir gehen immer tiefer in die Nacht,
die aus fernen Gärten Blüten streut,
und noch bevor die erste Knospe glimmt,
den Duft der Heimat zu uns weht.

*

IV

Wir sehen jenseits uns im Augenwasser,
das unter unsern Abschiedsblicken dunkelt,
und sinken uns die Lider unterm Schnee des Lichts,
wie Blüten treiben wir auf fernen Teichen.

*

V

Wir kommen spät zum Abendhügel,
wo Tränen unsre Wunden schließen
und auf Altären aus den Blumengarben
die Liebe, der wir sie pflückten, singt.

*

VI

Uns bleiben nur die alten schlichten Worte,
die wie Kerne kleben gern am Gaumen lang,
die wahren Gesten Abschied und Willkommen
und das Adieu, wenn Auge tief aus Augen trinkt.

*

VII

Und wenn am letzten Ufer fremde Luft
uns Haar und Mantel wie ein Lodern bauscht,
dann halten kindlich wir uns bei der Hand,
die Herzen hebt schon Rauschens weißer Gischt.

*

VIII

Und beugst du nochmals über mich
die helle Blume deines Lächelns,
nimmt mich der alten Heimat Garten auf,
und Schlehendorn verschließt ihn ganz.

*

IX

Und finden wieder wir den Pfad zu jener Höhe,
wo unter uns der Strom wie Sage schimmert,
harren wir der Nacht, bis sie mit Jenseitsblüten
uns ganz bedeckt, und kehren nicht zurück.

*

X

Wir sind die Tränen, die von Schlafes Lidern rinnen,
und haben Wärme nur auf kindlich-süßer Wange.
Wir sind die zart ins Mädchenhaar geschmiegte Spange,
die blind entgleitet unterm Beben sanfter Minnen.

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