O Strom der dunklen Tage
O Strom der dunklen Tage,
da um Gräser woben Schatten
wehetrunkne Sage –
rinnt ihr heimwärts wieder,
wie Tränen aus den Falten,
über Schlafes Glieder?
Öffnet ihr, wenn leise
verraucht der Wahn des Bluts,
die Asphodelenschneise?
Die Träume schieben den Knitter
der Linnen in die Schmerzens-
truhe, o wie bitter
waren Abschied und Grüße,
einer Biene Todessummen
wirrte im Kokon der Küsse.
Rinnt ihr nun, dunkle Tage,
unter brechendem Blick
aus dem Munde blauer Klage?
O, nehmt das Leben zurück,
und was am Ufer ihm sproß,
helle Distel, rosendunkles Glück.
Oder knirscht am weißen Saum
die Spur eines wandernden Freunds,
schwebt aufs Herz ein verirrter Flaum?
Fällt nicht von Kinderspielen
vom anderen Ufer ein Schimmer
in euer schwarzes Wühlen?
Ihr tragt noch einzelne Blüten
und Federn und zarte Spangen,
die Liebe konnte nicht hüten.
O, mündet mir mit Gebeten
in den Garten der Stille,
versickernd in durstigen Beeten.