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Alt-Metternich

14.05.2014

Der enge Pfad durch hohe Mauern,
der abbiegt von der Pfaffengasse,
Uringeruch, Grünspan und liebliche Gespenster –
eine Ritze oder zarte Zarge,
durch die das Blau des Abends sickert.

Der weiche Weg
über den knirschend-weißen Kies beim Schlösschen,
der zum heiligen Herzen Mariens führte,
dem durchbohrten.

Der Hinterhof, in dem der Sommersonntagnachmittag
strenge Gerüche nach Kohl und Gegrilltem
und nach Kölnisch Wasser mischte,
war abends hell durchtönt
vom Diskant des Zwergs
mit seiner Ziehharmonika.

Die Gaslaterne vor Großmutters Haus,
an dem ein schlankes Fresko mit dem Drachentöter
der Dorfmaler hinterließ –
ich meine fast, er tatʼs für meiner Mutter
schwarzes Haar und Alabasterteint –
da wimmelten die Mücken,
im Leuchten dieser altmodischen Idylle
knisterte sich gar manches Leben tot.

Da stand auf dem Kirmesplatz
ein schmächtiger Schlacks von Jüngling
und schickte dem schmalzgelockten Zigeunerjungen
mit den biegsamen Gliedern
hochgestimmten Lebens,
der auf die flotten Selbstfahrer sprang,
vor allem die mit den hübschen blonden Mädchen,
ein Schmachten tief gekränkter Seele nach.

Die milde Phantasie der Hiesigen,
der Meinen,
nennt den harten Preußenadler des Kriegerdenkmals
auf dem Kimmelberg
Eule – so ist es billig und recht
und gar nicht widersinnig,
in Versen mit langen müden Wimpern
und verschleierten Augen
Eulen nach Alt-Metternich zu tragen.

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